Anthroposophische Gesellschaft Michaelzweig Pforzheim
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Friedwart Husemann

Portait Hr.HusemannDr.med.Friedwart Husemann war Facharzt für Innere Medizin und versierter Anthroposoph mit tiefem Hintergrundwissen. Friedwart Husemann verstarb am 3.Februar 2022 unerwartet.

Er verfasste einen regelmäßigen, sehr bemerkenswerten Rundbrief zu vielen aktuellen Themen der Anthroposophie. Einige dieser Rundbriefe sind hier öffentlich wiedergegeben, noch mehr seiner Rundbriefe finden Sie im internen Bereich der Seite, der erst nach Anmeldung zugänglich ist.

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Der Materialismus als seelisches Furchtphänomen

Rundbrief zur Anthroposophie

Liebe Freunde

Die jetzige Corona Krise bietet eine Gelegenheit, das Wesen der Angst zu beleuchten. Der eine fürchtet sich vor der Krankheit, der zweite fürchtet sich vor der Impfung, der dritte vor den durchgreifenden Maßnahmen des Staates, der vierte fürchtet, dass er vom RKI tendenziös informiert wird, der fünfte sorgt sich um die eigene Existenz und wird in Verzweiflung getrieben, der sechste ahnt in der weltweit uniformen Reaktion eine geheime Regie hinter den Kulissen der öffentlichen Meinung. Manche Anthroposophen fürchten sich vor den Äußerungen anderer Anthroposophen, die sie für unangemessen halten. Jede dieser Ängste ist irgendwie verständlich und einfühlbar. All diesen Ängsten ist gemeinsam, dass sie umso größer werden, je weniger wir eine Sache beurteilen können.

Besonders perfide ist das bewusste Schüren von Angst, wie es in einem Strategiepapier des Innenministeriums vom 22.3.2020 unverblümt ausgesprochen worden ist. Die Kommunikationsstrategie müsse so gelenkt werden, dass die „erwünschte Schockwirkung“ auf die Bürger entsteht.

In diesem Kontext ist es wichtig, unsere allgemein geltende materialistische Denkweise zu betrachten. Seit Kopernikus und Galilei, seit Bacon, Darwin, Wittgenstein, Einstein, Heisenberg und Popper sind wir immer tiefer in eine Denkweise hineingeraten, die vom Geistigen nichts wissen will. Diese Denkweise will ich hier die materialistische Denkweise nennen. Diese Denkweise musste sein, sie war zur Erziehung der Menschheit notwendig, sie erfüllt ihren Sinn aber letztlich nur dadurch, dass wir sie überwinden.

Und nun gewissermaßen das Ei des Kolumbus in dieser Sache. Es ist so einfach, dass ich mich kaum traue, es zu schreiben, aber es stimmt trotzdem: die materialistische Denkweise kann das Geistige nicht beurteilen und deswegen hat sie Angst vor dem Geistigen. Bei diesem großen Menschheitsproblem gilt dies genauso wie jetzt, wenn wir Angst kriegen, weil wir die Zusammenhänge der Corona Epidemie nicht nach allen Seiten hin fundiert beurteilen können. Dies zusammenfassend schrieb R. Steiner den bemerkenswerten Satz: „Der Materialismus als seelisches Furchtphänomen ist ein wichtiges Kapitel der Seelenwissenschaft“ (GA 17, Kap. „Von dem ätherischen Leib des Menschen und von der elementarischen Welt“).

Natürlich bleiben diese Furcht und diese Angst tief unbewusst. Sie zeigen sich nur indirekt in „Beweisen“ oder „Einwänden“ gegen die geistige Welt, in Diffamierungen R. Steiners oder der Anthroposophie. Eine ähnliche Angst entsteht schon, wenn man die Meinungen Andersdenkender entgegennehmen muss. Das zeigt sich heute in der öffentlichen Berichterstattung in Schlagworten wie „Verschwörungstheoretiker“, „Impfgegner“ oder „rechte Esoteriker“, die, ohne darüber zu berichten, was diese Menschen meinen, einfach nur diffamierend ihnen aufgeklebt werden. Man fühlt hinter solchen Reizworten die Angst, dass das zugrunde liegende Faktum vielleicht zutreffen könnte und dass man es deswegen lieber gar nicht erst prüfen will.

Die genannte Angst tritt auch mit dem Hochmut auf, nicht nur das beurteilen zu können, was sie kennt, sondern auch noch das, von dem sie nach eigenem Eingeständnis nichts weiß. Eindrucksvoll zu beobachten ist sie z. B. bei der Beurteilung der Homöopathie, gegen die seit Jahrzehnten immer wieder dieselben Argumente angeführt werden. Schon ihr Begründer Hahnemann hatte festgestellt, dass seine Potenzen bei jedem Verdünnungsschritt geschüttelt werden müssen. Wenn dies nicht geschieht, sind Hochpotenzen unwirksam. Trotzdem sprechen die Gegner der Homöopathie nach wie vor von Verdünnungen und wenden gegen die Homöopathie etwas ein, was Hahnemann selbst schon zugegeben bzw. widerlegt hat. Es ist auch gar kein Einwand, sondern nur die Angst davor, sich mit etwas beschäftigen zu müssen, was man nicht beurteilen kann.

               Die geistige Welt, wie R. Steiner sie erforscht hat, ist wirklich vorhanden und erkennbar, man kann die unterbewusste Angst vor ihr überwinden, andererseits ist sie aber keinesfalls nur eine Welt voller Seligkeit und Glück und Frieden, wie viele meinen. Sondern, wenn man dort hineinkommt, begegnet man als Schattenwurf der Seligkeit zerstörerischen Mächten. So heißt es beispielsweise in der „Geheimwissenschaft“ (GA 13): „Die übersinnliche Beobachtung hat von dieser Welt des Läuterungsfeuers zu sagen, dass sie bewohnt ist von Wesen, deren Aussehen dem geistigen Auge grauenhaft und schmerzerregend sein kann, deren Lust die Vernichtung zu sein scheint und deren Leidenschaft auf ein Böses sich richtet, gegen welches das Böse der Sinnenwelt unbedeutend wirkt“ (Kap. „Schlaf und Tod“). Diese Geister der Zerstörung nennt R. Steiner an anderer Stelle auch die Geister der Finsternis (GA 177). Mit ihnen hängt u. a. das Entstehen von Bazillen zusammen (GA 177, 14.10.1917). Im Prinzip dieselben Geister bewirken Katastrophen mit vielen Todesopfern wie Vulkanausbrüche, Erdbeben, Überschwemmungen oder Eisenbahnunglücke (GA 236, 29.6.1924).In diesem Sinne ist die Angst vor der geistigen Welt verständlich, denn dort begegnet man u.a. diesen Dämonen der Zerstörung und der Finsternis. Aber wir kommen heute mit den täglichen Problemen nicht mehr zurecht, wenn wir jener gewissermaßen gefährlichen Seite der geistigen Welt nicht ins Auge schauen wollen.

               Und nun das Erschütternde. Wir selbst mit unserer Angst ernähren diese zerstörerischen Wesen in der geistigen Welt! Hätten wir keine Angst, dann würden diese Wesen an der Pforte zur geistigen Welt wie leere Säcke schlaff herunterhängen. Durch unsere „Angst, Furcht, Kopflosigkeit, Aberglauben, Hoffnungslosigkeit und Zweifelsucht“ werden sie dick und prall, weil diese Geister nur dann leben können, wenn sie sich von den gennannten negativen Eigenschaften der Menschen ernähren. Deswegen ist es so wichtig, dass wir uns stark machen gegen Angst und Furcht. „Lebensangst, Lebensfurcht, Todesangst und Todesfurcht“ müssen wir lernen zu überwinden. (Zusammenfassung des Vortrages über „Die sogenannten Gefahren der Einweihung“ am 12.12.1907 in GA 56). Es ist die Aufgabe der Anthroposophie, das ganze Leben spirituell zu durchsetzen, damit die genannten Dämonen der Zerstörung, die Geister der Finsternis ausgehungert werden.

Angst und Furcht müssen überwunden werden. Der erste Schritt dazu ist – entschuldigen Sie, dass ich schon wieder ein Kolumbus Ei aussprechen muss – das Studium der Geisteswissenschaft. Denn durch das Studieren der Mitteilungen aus der geistigen Welt lernen wir die geistige Welt kennen und beurteilen. Indem wir die geistige Welt beurteilen lernen, überwinden wir unsere Angst vor dem Geistigen, und indem wir die Angst vor dem Geistigen überwinden, überwinden wir den Materialismus.

Nun sagen natürlich viele: ich habe aber gar keine Angst. Wie schon gesagt: die genannte Angst ist uns zum größten Teil gar nicht bewusst. Und zweitens kommt wegen dieser Unbewusstheit dann eines Tages so etwas wie die Corona Krise, wo wir dann gezwungen werden, die Angst kennenzulernen.

Herzlich Ihr Friedwart Husemann

By Friedwart Husemann
Friedwart Husemann

Der Neid der Götter

Rundbrief zur Anthroposophie

Liebe Freunde,

die meisten von Ihnen werden sich an ihre Schulzeit erinnern, wo wir die Ballade „Der Ring des Polykrates“ von Friedrich Schiller gelernt haben. Als Herrscher der Insel Samos war Polykrates sehr glücklich und auf sein Glück auch noch stolz. Sein Gastfreund meinte deswegen: 

Mir grauet vor der Götter Neide,

Des Lebens ungemischte Freude

Ward keinem Irdischen zuteil.

Was war in der griechischen Zeit mit dem Neid der Götter gemeint? Und wie müssen wir den Neid der Götter heute verstehen? Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland Heinrich Bedford Strohm sagte ja kürzlich, Gott habe diese Corona Epidemie nicht geschickt. Diese Krise wirkte ja nicht nur als Krankheit zerstörerisch, sondern mindestens ebenso zerstörerisch im religiösen, kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Leben der Menschen. Gibt es eine geistige Ursache für diese Kräfte, die das irdische Leben zerstören?

               Ovid bringt in seinen „Metamorphosen“ eine Passage über die Göttin des Neides (Zweites Buch, Verse 760 ff). Der Neid lebt in einer finsteren, dampfenden Höhle, ernährt sich von Schlangen und ist gräulich anzusehen. Athene tritt vor die Höhle, die sie nicht betreten darf, und gibt dem Neid den Auftrag, einen irdischen Menschen mit Gift zu töten. Der Neid führt diesen Auftrag umgehend aus.

               Nun kann man natürlich denken, so darf es in der geistigen Welt doch nicht sein, dass eine so schlechte Eigenschaft wie der Neid auch noch eine Göttin sein soll. Und dass sich die guten Götter – wie Athene – sich dieses Neides auch noch bedienen, um Zerstörung und Krankheit unter die Menschen zu bringen. 

               Aber im Prinzip lehrt die Anthroposophie dasselbe. Es ist nur besser verständlich. Rudolf Steiner betont, im Sinne der ägyptischen Mysterien gilt auch heute das Prinzip der „ehernen Notwendigkeit“: „Entweder der Geist wird begriffen oder das Chaos bleibt“ (GA 177, 29.9.1917). Er bringt als Beispiel den ersten Weltkrieg. Gesetzt den Fall, das 19. Jahrhundert wäre ein idealistisches gewesen, man hätte in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts nicht bloß „instinktiv immer nur nach dem Wissen gejagt, welches zuletzt in der Ausgestaltung der Mordwerkzeuge seine größten Triumphe feierte, und was in der menschlichen Bereicherung nach rein materiellen Gütern aufging“ (ebenda), dann wäre das Streben nach dem Geist eine „Abschlagszahlung“ (ebenda) gewesen und die Geister der Finsternis hätten gar nicht so viel Macht gehabt, damit so etwas wie der erste Weltkrieg hätte entstehen können. Aber so ist es nicht gewesen. Sondern es kam sogar noch etwas dazu. Die Seelen der verstorbenen Menschen, die während ihres Erdenlebens in dieser materialistischen Tendenz befangen waren, die „lechzen in der geistigen Welt nach zerstörerischen Kräften“ (ebenda). Sie wollen gerade diese physische Welt zerstören, die ihnen die genannte Abschlagszahlung nicht ermöglicht hat. Das ist ein erschütternder Zusammenhang. Aber er ist im Sinne der genannten ehernen Notwendigkeit verständlich.

               R. Steiner sagte in diesem Vortrag vom 29.9.1917 während des ersten Weltkrieges: „Fassen Sie es meinetwillen auf als einen Egoismus, als eine Selbstsucht der Götter, aber in der geistigen Welt gilt eine andere Terminologie als hier in der sinnlich physischen Welt. Also fassen Sie es meinetwillen auf als einen Egoismus der Geister, aber die Geister rächen sich, wenn sie hier ignoriert werden. Es ist ein Gesetz, es ist eine eherne Notwendigkeit: die Geister rächen sich. Und unter den mancherlei Charakteristiken, die man geben kann für die Gegenwart ist auch diese richtig, dass man sagen kann: die Rache der Geister dafür, dass man sie solange ignoriert hat, das ist das gegenwärtige Menschheitschaos.“

               Es gibt also den Neid der Götter. Aber er ist das Spiegelbild unserer eigenen Schwäche, und wir sind es selbst, die wir nach unserem Tode die Kräfte der Zerstörung in der geistigen Welt auch noch verstärken, wenn wir ein zu wenig oder gar nicht nach dem Geiste strebendes Leben geführt haben.

Herzlich Ihr Friedwart Husemann

By Friedwart Husemann
Friedwart Husemann

Die Osterregel

Rundbrief zur Anthroposophie

Liebe Freunde

Rudolf Steiner sprach oftmals über die Osterregel und sah darin etwas, worin sich der Ostergedanke ausspricht.

               Der Ostersonntag ist immer am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond. Es muss also erstens Frühling sein, das heißt die Sonne muss über die Frühlings Tag und Nachtgleiche hinausgekommen sein. Dann muss man zweitens den nächsten Vollmond abwarten, man bezeichnet ihn auch als Ostermond. Und dann drittens am darauffolgenden Sonntag ist Ostern. Das frühestmögliche Osterfest eines Jahres ist somit am 22. 3., das spätestmögliche am 25. 4. eines Jahres. Wegen dieser schwankenden Termine gab es immer wieder den Versuch, die Osterregel abzuschaffen, was aber glücklicherweise bisher nicht gelungen ist.

Der Frühlingspunkt

Der Frühlingspunkt ist der Schnittpunkt der Sonnenbahn mit dem Himmelsäquator. Die Sonnenbahn (Ekliptik) schneidet den Himmelsäquator am Frühlingspunkt und am Herbstpunkt unter einem Winkel von 23 ½ °. Dieser Winkel ist die Ursache unserer Jahreszeiten. Wenn die Sonne die hohen Tierkreiszeichen des oberen Bogens durchwandert, ist bei uns auf der nördlichen Halbkugel Sommer. Wenn die Sonne die tiefen Tierkreiszeichen des unteren Bogens durchwandert, dann ist bei uns Winter. Der 21.März ist ein Datum, das uns vom Sternenhimmel und seinem Rhythmus vorgezeichnet wird.

Der Mond

Der Vollmond ist ein Bild für die Jahve Religion, die den Leib des Jesus auf der Erde vorbereitet hat, damit Christus Mensch werden konnte. Vorbereitung der Generationen, Prophetie, Inkarnation, Heranwachsen, Johannes der Täufer, Lehre, Leiden und Tod sind alle noch mit der Weisheit des Mondes zu verstehen, wenn auch mithilfe dieser Weisheit immer weniger verstanden worden ist, je länger Christus auf der Erde war.

Dann aber kam die Auferstehung, die mit der alten Mondenweisheit überhaupt nicht mehr verstanden werden konnte: am ersten Tag der Woche, am Sonntag, wo die gesamte Weisheit der Vergangenheit in Liebe gewandelt wurde, und Christus der Erde den eigentlichen Sinn gegeben hat.

Der Sonntag

Unsere Benennung dieses Tages nach der Sonne meint ursprünglich nicht die am Himmel stehende Sonne, sondern die alte Sonne als zweite Inkarnation unserer Erde. Es ist nämlich eine ganz wunderbare Tatsache, dass unsere Wochentage die Weltentwicklung wiederspiegeln, wie sie im Kapitel „Die Weltentwicklung und der Mensch“ in der „Geheimwissenschaft“ (GA 13) dargestellt ist:

Samstag – alter Saturn, Saturday, Saturntag

Sonntag – alte Sonne, Sunday

Montag – alter Mond, Monday

Dienstag – Mardi, Marstag, Ziu oder Tiu, Tuesday, 1. Hälfte der Erdentwicklung

Mittwoch – Mercredi, Merkurtag, Wotan, Wednesday, 2. Hälfte der Erdentwicklung

Donnertag – Donar, Thursday, Jupiter, Jeudi, nächste Verkörperung unserer Erde

Freitag – Freia, Venus, Vendredi, übernächste Verkörperung unserer Erde

(GA 93a, 28.10.1905 und weitere Stellen).

Im christlichen Sinne ist es das Wesentliche, dass der Sonntag der erste Tag der Woche ist, also der Tag, an dem Christus auferstand. Deswegen heißt im Italienischen der Sonntag bereits domenica (Tag des Herren), während die anderen Namen im Italienischen wie sonst üblich noch heidnisch sind. Im Russischen heißt der Sonntag sogar Auferstehung: Woskresenije. Im Russischen sind die Namen für die anderen Wochentage nur Nummern, z.B. pjatch heißt fünf, und Freitag heißt Pjatniza. Freitag als fünfter Tag ist die russisch-orthodoxe Zählung, in der jüdischen Zählung ist Freitag der sechste Tag.

Auch viele Christen verwechseln den Sonntag mit dem Sabbat, weil beide Tage Ruhetage sind. Der Sabbat ist aber der 7. Tag der Woche zur Erinnerung daran, dass Gott in 6 Tagen die Welt geschaffen hat und am siebten Tag ausruhte und sein Werk anschaute. Deswegen dürfen strenggläubige Juden am Sabbat auch nicht die kleinste Arbeit verrichten. Der Sonntag dagegen ist der erste Tag der Woche. Das Wort Sonntag für diesen Tag der Auferstehung ist sehr passend, sowohl im ursprünglichen Sinne der alten Sonne als auch im Sinne der jetzigen Sonne, weil wir in Christus das hohe Sonnenwesen verehren, welches auf die Erde gekommen ist: Ich bin das Licht der Welt (Joh. 8,12).

Sonne, Mond und Sterne als zeitliche Merkzeichen

Wenn man vor dem Mysterium von Golgatha den Christus suchte, wandte man sich der Sonne zu. Der Christus war an einem Ort des Raumes zu finden. So fragten auch die Hirten und die Könige zu Weihnachten, wo das neugeborene Kind zu finden ist. Und sie fanden es an einem bestimmten Ort in der Krippe liegen. Am leeren Grab war es anders. Da wurde den Suchenden gesagt: der, den ihr suchet, ist nicht hier (Markus 16,16). Und wenn wir heute den Christus suchen, müssen wir zu der Zeit des Mysteriums von Golgatha zurückgehen. Der vorirdische Christus lebte im Raum, der Christus nach dem Mysterium von Golgatha lebt in der Zeit. Christus kam aus dem Raum in die Zeit (GA 233a, 19.4.1924). Daher rührt die Bestimmung des Osterfestes nach einer zeitlichen Ordnung.

Die Worte „Dies tuet zu meinem Gedächtnis“ (1. Korinther 11, 24 und 11,25; Lukas 22, 19) sind eine Aufforderung, in die Zeit zurück bis zum Mysterium von Golgatha zu gehen. Diese Worte beziehen sich nicht nur auf die Einsetzungsworte beim Abendmahl, sondern eigentlich auf alles, was wir im Sinne Christi tun wollen. Ebenfalls die umfassenden Worte, welche der Auferstandene am Ende des Matthäusevangeliums sagte: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Matth. 28,20), beziehen sich auf sein Wirken in der Zeit. Deswegen wiederholt und erneuert sich Ostern jedes Jahr, eben weil der Auferstandene in der Zeit wirksam ist. In jedem einzelnen Menschen kann sich Ostern jederzeit wiederholen.

In Rußland sagt man zu Ostern als Begrüßung: Christ ist erstanden (Khristos voskres)! Und die Antwort lautet: er ist wahrhaftig auferstanden (On deystvitel'no voskres)! 

Herzlich Ihr Friedwart Husemann

By Peter Scheeder
Peter Scheeder

Raphael und Michael

Rundbrief zur Anthroposophie

Liebe Freunde,

es ist gut, auf das Positive dieser Krise zu achten, z. B. dass Beatmungspatienten aus Italien in Dresden aufgenommen worden sind, und ebensolche Patienten aus dem Elsass in Freiburg. Diese Taten gegenseitiger Hilfe, wie sie im kleineren Kreis unter Nachbarn und in der Familie sich jetzt überall eröffnet haben, sind ein seelisches Element, was helfen wird, diese Krise zu überwinden.

               So ist es auch ein positives Zeichen, dass die Corona Krise in der Zeit der steigenden Frühlingssonne sich ereignet. Die Sonne strebt mit großen Schritten aufwärts. An den vom Winter her noch dürren und trockenen Zweigen sprießen die Blätter hervor. Zunächst sind es nur die sich vergrößernden Knospen, dann entfalten sich die spitz gewordenen Knospen in zusammengerollte Blätter, die sich auswickeln, erst klein, dann immer größer.  Oftmals ergeben sich in diesem Moment der Entfaltung vorübergehende Formen, die an Flammen oder auch an Flügel erinnern. Beobachten Sie die aufbrechenden Knospen einer Eberesche (Sorbus aucuparia), da sind diese täglich sich wandelnden Bewegungen der Formen besonders eindrucksvoll.

Der Regent dieser Jahreszeit ist der Erzengel Raphael, der für den Geistesblick jetzt mit dem feurigen Merkurstab in den Wolken zu erkennen ist. Raphael ist der Erzengel der heilenden Kräfte. So wurde er schon im Alten Testament als Lehrer des Tobias dargestellt, wie er mithilfe der Galle eines Fisches seinen blinden Vater heilte. 

               Raphael wirkt zusammen mit den drei anderen Erzengeln, mit Uriel (Sommer), Michael (Herbst) und Gabriel (Winter). Nun gibt es aber das besondere Geheimnis, dass die jeweils sich gegenüberliegenden Erzengel eine besondere Beziehung zueinander haben. Wenn Raphael draußen im Kosmos wirkt wie jetzt im Frühling, dann steht Michael neben dem Menschen auf der Erde und stärkt den Menschen mit dem Impuls der „Bewegungskraft“. Die anderen drei Erzengel haben, wenn sie unten beim Menschen stehen, folgende Impulse:

Gabriel im Sommer: Ernährung, 

Raphael im Herbst: Atmung oder Heilung, 

Uriel im Winter: Gedankenkraft

Michael im Frühling: Bewegungskraft 

(GA 229, 13.10.1923, sogenannter „5. Vortrag“ zu den vier Jahreszeiten Imaginationen). 

               Die anerkannte medizinische Wissenschaft hat nachgewiesen, dass die körperliche Bewegung nicht nur gegen Übergewicht, Zuckerkrankheit, Herz und Kreislaufkrankheiten, sondern sogar gegen Krebs wirksam ist. Wir können also dankbar sein, dass uns in diesen Zeiten des Hausarrestes wenigstens die Bewegung draußen in der Natur erlaubt worden ist. Im Lichte Michaels kommt dann noch die Bewegung in Frage, die nicht nur nach äußeren, physisch, irdischen Bedingungen sich richtet, sondern nach dem Lebensleib oder Ätherleib: die Eurythmie. Wer entsprechend dem Leben, entsprechend der Seele und dem Geist seine Glieder bewegt, wirkt noch einmal wesentlich stärker heilend auf seinen Organismus als bloß durch die äußere Bewegung, die aber auch schon gut ist. Welche Übungen auch immer Sie kennen (IAO, dreiteilig Schreiten, Ich denke die Rede, Licht strömt aufwärts, Schwere lastet abwärts usw.), die sind jetzt angezeigt. Spezifischer wirken die Übungen aus dem 5. Vortrag des Heileurythmiekurses (GA 315). Dort schildert R. Steiner 12 Übungen, die unseren Ätherleib zu einem „brauchbaren Patron“ machen, die jeder in mäßiger Weise täglich üben sollte, wenn er zu viel sitzen muss, was ja bei jedem von und der Fall ist, wenn Sie nur an Ihre Zeit vor dem PC denken. In meinem Buch „Anthroposophische Medizin – ein Weg zu den heilenden Kräften“, Dornach, 2. Auflage, 2011, habe ich diesen 12 Übungen ein eigenes Kapitel gewidmet, das ich Ihnen, wenn Sie daran interessiert sind, als pdf schicken kann. Ich habe dort versucht, gerade die Tatsache der Zwölfheit dieser Übungen als urbildlich herauszuarbeiten. Sobald wieder Menschenkontakte erlaubt sind, können Sie diese Übungen bei einer Heileurythmistin erlernen. Sie stärken damit ihren eigenen Michaelimpuls. Michael ist der Führer zur Überwindung alles dessen, was uns ängstlich und zaghaft macht. Viren waren zu R. Steiners Zeiten zwar noch nicht entdeckt, als Krankheitserreger gehören sie aber mit den Bakterien und Bazillen zu derselben Kategorie. Also: Bakterien, Bazillen und Viren sind die Helfer des Drachens, um den Menschen zu quälen (GA 266/1, 18.10.1907). Eben diesen Drachen hat Michael überwunden und besiegt. Für uns zum Vorbild hat er dies getan. 

               Hinweisen möchte ich noch auf die neueste Nummer der Wochenschrift „Das Goetheanum“ (Nr. 13, 27.3.2020), wo ein ganz hervorragender Aufsatz zur Corona Krise von Peter Selg erschienen ist, der Titel lautet: „Das Mysterium der Erde“. In derselben Nummer erschien zum Coronaproblem ein ebenso interessanter Artikel der Medizinischen Sektion von Georg Soldner und Matthias Girke. 

Herzlich Ihr Friedwart Husemann

By Friedwart Husemann
Friedwart Husemann

Ansteckung und Karma

Rundbrief zur Anthroposophie

Liebe Freunde

unbefangen betrachtet, ist es ein Rätsel, warum es ansteckende und andererseits auch nicht ansteckende Krankheiten gibt. Infektiöse Agentien sind Viren und Bakterien oder bei der Malaria auch Protozoen, also kleine Einzeller Lebewesen. Die Ansteckung kann ganz verschieden zustande kommen, manchmal sind auch Insekten als Überträger beteiligt. Das Entscheidende bei allen ansteckenden Krankheiten ist, dass nicht jede Infektion zu einer Erkrankung des Infizierten führt. Und wenn der Patient erkrankt, dann kann die Krankheit sehr milde verlaufen oder auch so schlimm, dass der Patient stirbt. Die Frage ist, woher rühren diese Unterschiede in der Abwehrkraft und woher hat der einzelne Mensch die Stärke oder die Schwäche, eine Infektion zu überstehen oder nicht? 

               In meinem letzten Rundbrief habe ich Ihnen individuelle Gründe genannt wie Ernährung, Schlafdauer und die Angst des Erkrankten, die R. Steiner als Faktoren benennt. Heute referiere ich Ihnen karmische Gründe. 

               Es hat karmische Gründe, ob jemand an Cholera erkrankt oder an Malaria. Diese beiden Krankheiten sind sehr verschieden und werden von R. Steiner als Beispiele ausführlich erörtert. Die starken Durchfälle bei Cholera führen zu einem Wasserverlust des Organismus, sodass die wichtigste Hilfe bei Cholera sauberes Trinkwasser ist, das mit Salzen versetzt ist.  Die Exsikkose oder Dehydration verdickt das Blut. Der Arzt kann an dem Grad der Blutverdickung (dem sog. Hämatokrit) den Infusionsbedarf des Cholerakranken abschätzen. Genau andersherum ist es bei der Malaria. Hier kommt es dadurch, dass die roten Blutkörperchen befallen werden, zu eine Blutarmut (sog. normochrome Anämie). R. Steiner beschreibt es so, dass bei der Malaria das Blut „zerfällt“, während es bei der Cholera verdickt wird. Mit dieser Polarität kann man das Karma dieser beiden Krankheiten verstehen. 

               Man kommt dann in Gelegenheit, sich mit Cholera zu infizieren, wenn - für das jetzige Leben natürlich tief unbewusst - folgende karmische Situation vorliegt. Der betreffende Mensch hat in seinem vergangenen Erdenleben ein zu schwaches Selbstgefühl gehabt, er ist mit seinen Handlungen in der Hingabe an die äußere Welt viel zu weit gegangen. Das hat er im Leben nach dem Tod angeschaut und den Entschluss gefasst: du musst in dir Kräfte entwickeln, welche dein Selbstgefühl erhöhen. Er wird dann im nächsten Leben zu einer solchen Inkarnation streben, die seinem Selbstgefühl die stärksten Widerstände entgegensetzt, sodass er es dadurch erstarken kann. Das geschieht, wenn das Ich bei der Cholera das verdickte Blut überwinden muss. Wenn er gesund wird, erstarkt dadurch das Selbstgefühl noch in diesem Leben. Wenn er stirbt, geschieht dies in der nächsten Inkarnation. Genau spiegelbildlich ist es bei der Malaria: das zu starke Selbstgefühl fällt durch den Blutzerfall bei der Malaria gewissermaßen ins Bodenlose und wird dadurch gemildert (GA 120, Vorträge vom 19. und vom 20. Mai 1910). 

Bei Malaria und Cholera liegen also individuelle Gründe vor. Es gibt aber auch kollektive Gründe. Ein Beispiel dafür ist der Aussatz oder die Mieselsucht im Mittelalter, die heute Lepra genannt wird. Die karmische Ursache dafür ist kompliziert. Die eigentliche Ursache war die Angst vor den Hunnen. Die richtige Reaktion wäre gewesen, dass man den Hunnen mit Mut und Liebe begegnet wäre. Das geschah aber nicht. Und die Folge davon war dann für die nachfolgende Generation der Aussatz (GA 93 a, 3.11.1905; GA 95, 28.8.1906; GA 99, 29.5.1907). In diesem Fall wurde das pathologische Agens (die Angst) auf die nächste Generation vererbt oder übertragen. Was bei der ersten Generation noch seelisch war, wurde in der nächsten körperlich krank. 

               Hier noch ein weiteres Beispiel, das näher an unsere Zeit herankommt: „In den letzten Jahrhunderten entwickelte sich bei unserer europäischen Bevölkerung durch die technischen Fortschritte ein Industrieproletariat und mit demselben hat sich eine Unsumme von Rassenhass und Standeshass gebildet. Die sitzen im Astralleib des Menschen und wirken sich physisch aus als Lungentuberkulose. Diese Erkenntnis ist ein Ergebnis okkulter Forschung“ (GA 99, 29.5.1907). 

               Solche Beispiele kann man durchaus auch auf die jetzige Epidemie übertragen. Man erkennt dann, dass diese Corona Epidemie eine geistige oder seelische oder karmische Ursache haben muss. Das merken auch viele. Ausgerechnet Joachim Löw, der Trainer der deutschen Fußball Nationalmannschaft, der seit 14 Jahren an der Spitze der sogenannten „Spaßgesellschaft“ und der „wichtigsten Nebensache der Welt“ steht, hat dankenswerterweise gerade hier die richtigen Worte gefunden: „Die Welt hat ein kollektives Burnout erlebt...Wir müssen uns hinterfragen…nichts ist mehr wie es vorher war…Ich habe so das Gefühl, dass die Welt und vielleicht auch die Erde sich so ein bisschen stemmt und wehrt gegen die Menschen und deren Tun. Denn der Mensch denkt immer, dass er alles weiß und alles kann und das Tempo, das wir so in den letzten Jahren vorgegeben haben, war nicht mehr zu toppen. Macht, Gier, Profit, noch bessere Resultate, Rekorde standen im Vordergrund. Umweltkatastrophen wie in Australien oder sonstwo, die haben uns nur am Rande berührt… Jeder Einzelne muss beweisen, dass wir uns wandeln können“ 

(Ostfriesenzeitung vom 19.3.2020). 

               Die Ruhe, die uns jetzt durch die Infektionsschutzmaßnahmen von außen aufgedrängt wird, kann in innere Ruhe verwandelt werden, damit uns die helfenden, geistigen Mächte besser verständlich werden: „Schaffe dir Augenblicke innerer Ruhe und lerne in diesen Augenblicken das Wesentliche vom Unwesentlichen unterscheiden“ („Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“ GA 10, 1. Kapitel, Innere Ruhe). 

Herzlich Ihr Friedwart Husemann

By Peter Scheeder
Peter Scheeder

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