Dr. Florian Roder

23.6.1958 – 22.2.2020

Liebe Freunde

Vor wenigen Tagen erreichte mich die Nachricht, dass Dr. Florian Roder gestorben ist. Da ich viel mit ihm zu tun hatte, drängt es mich, Ihnen einige Worte über ihn zu schreiben, wobei ich keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann.

Als Kind wuchs er in einer anthroposophischen Familie in München auf. Seine Eltern Charlotte und Hans Roder waren Jahrzehnte lang in München für die Anthroposophie tätig. Charlotte Roder vertrat in den letzten Jahren ihres Lebens als Generalsekretärin die deutsche Landesgesellschaft am Goetheanum.

Schon als Konfirmand wünschte sich Florian die Werke des Novalis und las immer wieder darin. 1992 kam sein Novalis Buch heraus, das in jeder Hinsicht erstaunlich ist. Erstaunlich wegen der offenkundigen Reife eines erst 34-jährigen Autors, erstaunlich wegen der gründlichen Erörterung aller Einzelheiten und aller übergeordneter Aspekte, die mit Novalis zusammenhängen. Er schreibt mit solcher Leichtigkeit, mit einem so gereiften Stil und mit einem so profunden Wissen, wie wenn er auf sämtliche der vorhandenen Probleme schon vorbereitet gewesen wäre. Das Buch hat 956 Seiten. Sein Verleger Johannes Meyer gab sein Bestes, sodass ein prachtvoller Band erschienen ist. Kurze Zeit später hätte so ein Buch nicht mehr erscheinen können. Es ereignete sich die Krise des Verlages Urachhaus, wodurch Johannes Meyer die Leitung abgeben musste. Rückblickend ein erstaunlicher Glücksumstand, der dem Werk zugutekam. Man kann die philologische Wissenschaft ja auch kritisch sehen. Aber wenn ein Autor mit so viel Liebe zum Detail und mit so viel Liebe zum Ganzen vorgeht, wie es bei Florian Roder der Fall ist, dann ist alles anders. Und vollends bei solch einem Thema wie Novalis. Die Beschäftigung mit Novalis wird ganz von allein zur Geisteswissenschaft oder besser noch mit Hardenbergs eigenen Worten gesagt: zum magischen Idealismus.

Florian Roder wurde dann bald ein beliebter Vortragsredner. In den 90 er Jahren übernahm er die Leitung des Arbeitszentrums München der deutschen Landesgesellschaft. Eine besonders schöne Erinnerung bleibt für mich, als wir 2005 und 2006 das Jubiläumsjahr 2007 in München zusammen mit Karl Lierl und Rudolf Gädeke vorbereiteten. Später erschien darüber die Dokumentation „Anthroposophie wird Kunst – Der Münchner Kongress 1907 und die Gegenwart“ ISBN 978-3-00-025311-9, 432 Seiten, in der Florian Roder u.a. den Artikel „München 1900 – wo Geister wandern“ geschrieben hat. Dieser kurze, sehr inhaltvolle Essay zeigt so ganz seine Eigenart.

2007 erschien sein Buch „Die Mondknoten im Lebenslauf“, welches sehr lesenswert ist und welches ich schon vielen meiner Patienten empfohlen habe.

Die weiteren Jahre waren von Prüfungen geprägt. Zunächst ging es darum, seine Frau zu begleiten, die schwer erkrankte und im Jahr 2011 in kurzer Zeit dahinstarb. Dann meldete sich anfangs nur langsam, dann aber doch immer deutlicher seine eigene Krankheit. Zuletzt traf ich ihn 2014 beim Faustfestival der Waldorfschule Ismaning, wo die Krankheit schon so offensichtlich war, dass man in Ruhe mit ihm darüber reden konnte. Die weiteren Jahre waren eine immer schwerere Prüfung, die er aber tapfer bestanden hat.

Das Motto seines Buches möge ihn weiter begleiten:

„Das Sterbliche dröhnt in seinen Grundfesten,

aber das Unsterbliche fängt heller zu leuchten an

und erkennt sich selbst.“

Novalis

Herzlich Ihr Friedwart Husemann