Rundbrief zur Anthroposophie

Liebe Freunde

unbefangen betrachtet, ist es ein Rätsel, warum es ansteckende und andererseits auch nicht ansteckende Krankheiten gibt. Infektiöse Agentien sind Viren und Bakterien oder bei der Malaria auch Protozoen, also kleine Einzeller Lebewesen. Die Ansteckung kann ganz verschieden zustande kommen, manchmal sind auch Insekten als Überträger beteiligt. Das Entscheidende bei allen ansteckenden Krankheiten ist, dass nicht jede Infektion zu einer Erkrankung des Infizierten führt. Und wenn der Patient erkrankt, dann kann die Krankheit sehr milde verlaufen oder auch so schlimm, dass der Patient stirbt. Die Frage ist, woher rühren diese Unterschiede in der Abwehrkraft und woher hat der einzelne Mensch die Stärke oder die Schwäche, eine Infektion zu überstehen oder nicht? 

               In meinem letzten Rundbrief habe ich Ihnen individuelle Gründe genannt wie Ernährung, Schlafdauer und die Angst des Erkrankten, die R. Steiner als Faktoren benennt. Heute referiere ich Ihnen karmische Gründe. 

               Es hat karmische Gründe, ob jemand an Cholera erkrankt oder an Malaria. Diese beiden Krankheiten sind sehr verschieden und werden von R. Steiner als Beispiele ausführlich erörtert. Die starken Durchfälle bei Cholera führen zu einem Wasserverlust des Organismus, sodass die wichtigste Hilfe bei Cholera sauberes Trinkwasser ist, das mit Salzen versetzt ist.  Die Exsikkose oder Dehydration verdickt das Blut. Der Arzt kann an dem Grad der Blutverdickung (dem sog. Hämatokrit) den Infusionsbedarf des Cholerakranken abschätzen. Genau andersherum ist es bei der Malaria. Hier kommt es dadurch, dass die roten Blutkörperchen befallen werden, zu eine Blutarmut (sog. normochrome Anämie). R. Steiner beschreibt es so, dass bei der Malaria das Blut „zerfällt“, während es bei der Cholera verdickt wird. Mit dieser Polarität kann man das Karma dieser beiden Krankheiten verstehen. 

               Man kommt dann in Gelegenheit, sich mit Cholera zu infizieren, wenn - für das jetzige Leben natürlich tief unbewusst - folgende karmische Situation vorliegt. Der betreffende Mensch hat in seinem vergangenen Erdenleben ein zu schwaches Selbstgefühl gehabt, er ist mit seinen Handlungen in der Hingabe an die äußere Welt viel zu weit gegangen. Das hat er im Leben nach dem Tod angeschaut und den Entschluss gefasst: du musst in dir Kräfte entwickeln, welche dein Selbstgefühl erhöhen. Er wird dann im nächsten Leben zu einer solchen Inkarnation streben, die seinem Selbstgefühl die stärksten Widerstände entgegensetzt, sodass er es dadurch erstarken kann. Das geschieht, wenn das Ich bei der Cholera das verdickte Blut überwinden muss. Wenn er gesund wird, erstarkt dadurch das Selbstgefühl noch in diesem Leben. Wenn er stirbt, geschieht dies in der nächsten Inkarnation. Genau spiegelbildlich ist es bei der Malaria: das zu starke Selbstgefühl fällt durch den Blutzerfall bei der Malaria gewissermaßen ins Bodenlose und wird dadurch gemildert (GA 120, Vorträge vom 19. und vom 20. Mai 1910). 

Bei Malaria und Cholera liegen also individuelle Gründe vor. Es gibt aber auch kollektive Gründe. Ein Beispiel dafür ist der Aussatz oder die Mieselsucht im Mittelalter, die heute Lepra genannt wird. Die karmische Ursache dafür ist kompliziert. Die eigentliche Ursache war die Angst vor den Hunnen. Die richtige Reaktion wäre gewesen, dass man den Hunnen mit Mut und Liebe begegnet wäre. Das geschah aber nicht. Und die Folge davon war dann für die nachfolgende Generation der Aussatz (GA 93 a, 3.11.1905; GA 95, 28.8.1906; GA 99, 29.5.1907). In diesem Fall wurde das pathologische Agens (die Angst) auf die nächste Generation vererbt oder übertragen. Was bei der ersten Generation noch seelisch war, wurde in der nächsten körperlich krank. 

               Hier noch ein weiteres Beispiel, das näher an unsere Zeit herankommt: „In den letzten Jahrhunderten entwickelte sich bei unserer europäischen Bevölkerung durch die technischen Fortschritte ein Industrieproletariat und mit demselben hat sich eine Unsumme von Rassenhass und Standeshass gebildet. Die sitzen im Astralleib des Menschen und wirken sich physisch aus als Lungentuberkulose. Diese Erkenntnis ist ein Ergebnis okkulter Forschung“ (GA 99, 29.5.1907). 

               Solche Beispiele kann man durchaus auch auf die jetzige Epidemie übertragen. Man erkennt dann, dass diese Corona Epidemie eine geistige oder seelische oder karmische Ursache haben muss. Das merken auch viele. Ausgerechnet Joachim Löw, der Trainer der deutschen Fußball Nationalmannschaft, der seit 14 Jahren an der Spitze der sogenannten „Spaßgesellschaft“ und der „wichtigsten Nebensache der Welt“ steht, hat dankenswerterweise gerade hier die richtigen Worte gefunden: „Die Welt hat ein kollektives Burnout erlebt...Wir müssen uns hinterfragen…nichts ist mehr wie es vorher war…Ich habe so das Gefühl, dass die Welt und vielleicht auch die Erde sich so ein bisschen stemmt und wehrt gegen die Menschen und deren Tun. Denn der Mensch denkt immer, dass er alles weiß und alles kann und das Tempo, das wir so in den letzten Jahren vorgegeben haben, war nicht mehr zu toppen. Macht, Gier, Profit, noch bessere Resultate, Rekorde standen im Vordergrund. Umweltkatastrophen wie in Australien oder sonstwo, die haben uns nur am Rande berührt… Jeder Einzelne muss beweisen, dass wir uns wandeln können“ 

(Ostfriesenzeitung vom 19.3.2020). 

               Die Ruhe, die uns jetzt durch die Infektionsschutzmaßnahmen von außen aufgedrängt wird, kann in innere Ruhe verwandelt werden, damit uns die helfenden, geistigen Mächte besser verständlich werden: „Schaffe dir Augenblicke innerer Ruhe und lerne in diesen Augenblicken das Wesentliche vom Unwesentlichen unterscheiden“ („Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“ GA 10, 1. Kapitel, Innere Ruhe). 

Herzlich Ihr Friedwart Husemann