Anthroposophische Gesellschaft Michaelzweig Pforzheim
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Friedwart Husemann

Portait Hr.HusemannDr.med.Friedwart Husemann war Facharzt für Innere Medizin und versierter Anthroposoph mit tiefem Hintergrundwissen. Friedwart Husemann verstarb am 3.Februar 2022 unerwartet.

Er verfasste einen regelmäßigen, sehr bemerkenswerten Rundbrief zu vielen aktuellen Themen der Anthroposophie. Einige dieser Rundbriefe sind hier öffentlich wiedergegeben, noch mehr seiner Rundbriefe finden Sie im internen Bereich der Seite, der erst nach Anmeldung zugänglich ist.

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Unser ägyptisches Erbe, 4. Teil - Der heilige Gral

Rundbrief zur Anthroposophie

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Liebe Freunde

Es gibt verschlungene Wege der geistigen Führung des Menschen und der Menschheit, die einen erstaunen können. Was als Tragik in einem Zeitalter erscheint und erlitten wird, kehrt im nächsten Zeitalter als Aufbruch- und Jubelstimmung wieder. Ein solches Ereignis will ich Ihnen nachfolgend erzählen, weil es unser Thema des ägyptischen Erbes betrifft.

Moses hat das Volk Israels aus Ägypten in das gelobte Land geführt.  Das war etwa 1250 vor Christus. In Jerusalem wirkten dann Saul, David und Salomon, die etwa um 1000 vor Christus lebten. Die babylonische Gefangenschaft der Juden ist nicht dasselbe wie der Auszug aus Ägypten, sie ereignete sich ein halbes Jahrtausend später und dauerte etwa 70 Jahre lang.

Die Bedeutung des Moses als Religionsführer ist überragend. Er empfing auf dem Sinai die 10 Gebote und vor dem brennenden Dornbusch hörte er die Worte seines Gottes „Ejeh asher ejeh“, „Ich bin der ich bin“. Das waren die Worte, mit denen damals der Christus zu Moses gesprochen hat (GA 105, 4.8.1908 und weitere Stellen). Also ohne Moses hätte es kein Christentum gegeben.

Moses hatte jedoch beim Auszug aus Ägypten den Ägyptern etwas weggetragen. Und zwar nichts Geringeres als das Geheimnis des Osiris, das Geheimnis des Weltenwortes. Mose hätte das „Ejeh asher ejeh“ nicht erleben können, wenn er den Ägyptern nicht das Weltenwort weggetragen hätte (GA 144, 5.2.1913). In den altägyptischen Mysterien war Osiris der Sohn der Isis und zugleich ihr Gemahl. Seit Mose das Weltenwort hinweggetragen hatte, wurde Osiris nicht mehr geboren. Die Isis wurde zur trauernden Witwe. Die ohnehin schweigende Göttin machte „ihre Gebärde, ausdrückend, dass sie ohnmächtig geworden war zum Gebären des Weltenwortes und der Weltentöne“ (ebenda). Die Priester der Isis trauerten mit ihr. Man nannte sie deswegen die „Söhne der Witwe“. Die Mysterien wurden tragisch und übten sich in Entsagung. Zuletzt gab es die Isis als Repräsentantin der Sphärenmusik und Osiris als Repräsentant des Weltenwortes nicht mehr. Isis und Osiris starben dahin und tauchten unter. 

Es war eine Weltennotwendigkeit, dass Moses so gehandelt hat. Dennoch war es so, dass er den Ägyptern etwas weggenommen und den Priestern Ägyptens und ihrer Göttin viel Leid zugefügt hatte. 

Der entsprechende Ausgleich dafür ereignete sich später. Man ahnt es an dem geheimnisvollen Wort von dem „Sohn der Witwe“. Der Jüngling zu Sais, der Jüngling zu Nain, Mani und Parzival waren „Söhne der Witwe“ (siehe hierzu GA 264, Gedächtnisnotizen Elisabeth Vreede, S. 228 – 230). Bei diesen vier wichtigen Persönlichkeiten war es real so, dass ihre Väter jeweils früh gestorben waren. Dennoch enthält die Bezeichnung „Sohn der Witwe“ einen Unterton, der einen aufmerken lässt. Und so ist es auch wirklich gewesen, dass das, was als Isis und Osiris in Ägypten untergegangen war, später wieder erschienen ist: „Wie stieg herauf, was im alten Ägypten untergetaucht war? So stieg es herauf, dass es sichtbar wurde in jener heiligen Schale, die da bezeichnet wird als „heiliger Gral“, die da behütet wird von den Rittern des heiligen Gral. Und im Aufstieg des heiligen Gral kann empfunden werden, was im alten Ägypten hinuntergetaucht ist“ (GA 144, 7.2.1913, früher irrtümlich 6.2.1913). 

Sie sehen oben in den Bildwerken den Horusknaben zwischen Osiris und Isis. Der Kopfschmuck der Isis zeigt unmittelbar, was später als Gralssymbol wieder aufgetaucht ist. Die ewige Sonnen - Wegzehrung über der Schale des Mondes ist dasselbe, aber doch etwas ganz anderes.  Es ist die auferstandene Sphärenharmonie der Isis und es ist das auferstandene Weltenwort des Osiris, die uns mit der Gralsbewegung in die Zukunft führen. 

So werden Leiden und trauernder Rückblick einer Epoche verwandelt in Freuden und Zukunftshoffnung der nächsten Epoche: „Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden“ (Matthäus 5).  

Herzlich Ihr Friedwart Husemann

By Friedwart Husemann
Friedwart Husemann

Unser ägyptisches Erbe, 3. Teil - Isis und Madonna

Rundbrief zur Anthroposophie

Sixtina

Liebe Freunde

Wenn R. Steiner die Sixtinische Madonna besprach, machte er darauf aufmerksam, wie viele Engels- oder Kindergesichter Raffael in die Wolken gemalt hat. Dadurch entsteht künstlerisch der Eindruck, wie wenn das Gesicht des zur Erde kommenden Jesuskindes sich aus den vielen Wolkengesichtern verdichtet hätte. Ein Bild für die jungfräuliche Empfängnis oder auch ein Bild für den kosmischen Ursprung des Christuswesens (GA 57, 29.4.1909; GA 105, 4.8.1908). 

Im Hinblick auf den Jesus kann die Empfängnis nicht so gewesen sein, dass die Vaterschaft des Josef keine Rolle spielte, erstens biologisch irdisch. Zweitens biblisch, denn was hätten die beiden Geschlechtsregister bei Matthäus und Lukas für einen Sinn, wenn ausgerechnet Josef als Vater des Jesus bedeutungslos gewesen sein sollte? Die eigentliche jungfräuliche Empfängnis war eben etwas ganz anderes. Es war der Moment der Jordantaufe, als der Christusgott, der Logos oder das Welten- Ich aus kosmischen Weiten kommend in den Menschen Jesus einzog und dort etwas mehr als 3 Jahre lang wohnte. Das hat man ab dem 6. Jahrhundert nicht mehr verstanden und deswegen die jungfräuliche Empfängnis in die Mutter Jesu zurückgeschoben (GA 353, 26.3.1924, Arbeitervortrag über die christliche Entwicklung). 

Die Sixtinische Madonna ist so gemalt, dass man in dem aus den Wolken geborenen Kind das spätere Ereignis der Christusgeburt bei der Jordantaufe erahnen kann. Ähnlich hat es Michelangelo bei der Pieta im Petersdom gestaltet, er bildete die Mutter so jugendlich, dass sie deutlich jünger erscheint als ihr eigener Sohn, der als Leichnam auf ihren Knieen liegt. Michelangelo selbst und ihm folgend R. Steiner deuteten dies als Hinweis auf die jungfräuliche Empfängnis (GA 57, 29.4.1909). 

In der ägyptischen Zeit war es die Göttin Isis, die durch einen Lichtstrahl des Osiris den Horusknaben jungfräulich empfangen hat. Isis als Monden Göttin und Osiris als Sonnengott erscheinen auf vielen ägyptischen Bildwerken. Die christliche Madonna auf der Monden Sichel, die den Knaben als künftigen Träger der Christussonne zur Erde trägt, will dasselbe sagen. Insofern besteht eine innere Verwandtschaft zwischen Isis und Madonna (Titel eines Vortrages am 29.4.1909 in GA 57). 

Dieselben Zusammenhänge wurden auch innerlich als Vorbild unserer Seelenentwicklung verstanden. Der ägyptische Eingeweihte konnte schon während seines Lebens das erringen, was jeder Ägypter nach dem Tode erhoffte: ein Osiris zu werden. Das geht aus dem Totenbuch der Ägypter hervor. Die Seele musste dafür gereinigt sein, so rein wie die Seele der Isis gereinigt war. Denselben Vorgang hat Angelus Silesius für unseren Zeitraum so ausgesprochen: 

Die geistliche Maria

Ich muß Maria sein und Gott aus mir gebären,

Soll er mich ewiglich der Seligkeit gewähren (Cherubinischer Wandersmann, 1. Buch, Nr. 23).

In seiner Marienhymne spricht Novalis sogar die Stufen der höheren Erkenntnis aus: 

Ich sehe dich in tausend Bildern,

Maria, lieblich ausgedrückt,

Doch keins von allen kann dich schildern,

Wie meine Seele dich erblickt.

Ich weiß nur, daß der Welt Getümmel

Seitdem mir wie ein Traum verweht,

Und ein unnennbar süßer Himmel

Mir ewig im Gemüte steht.

Die imaginative Welt erscheint uns in tausend Bildern, die den Geistesschüler zunächst verwirren. Er ist noch in der Welt des Raumes, aber es sind schon geistige Bilder. Einen Schritt weiter lernt der Schüler, die Bilder zu unterdrücken und sich auf seine eigene Seele zu besinnen, welche die Bilder geschaffen hat. Dadurch kommt er in ein zeitliches Element. Mit dem „seitdem“ erreicht der Dichter diese Dimension der Zeit und hat die Fülle der Bilder verlassen. Das Wort „verwehen“ ist unmittelbar aus dem Atmen der Luft geschaffen. Inspiration heißt wörtlich übersetzt Einatmung. Dann erst in einem dritten Schritt kommt die sichere Erkenntnis zustande, sodass das Ich des Erkennenden mit dem zu erkennenden Gegenstand verschmilzt. Der Himmel der Erkenntnis steht so klar vor der Seele, dass der Geistessucher das Gefühl der Ewigkeit erlebt. „Steht“ in diesem Zusammenhang ist genau das richtige Wort dafür, dass mit der Intuition die Erkenntnis eines Gegenstandes vollendet ist. Die Stufen der höheren Erkenntnis (GA 12) und das Kapitel über die höhere Erkenntnis in der Geheimwissenschaft (GA 13) beschreiben Imagination, Inspiration und Intuition so, wie hier angedeutet.

So über die Madonna dichten, konnte nur, wer dieselbe Madonna in einem früheren Leben gemalt hatte. Novalis ist der wiedergeborene Raffael gewesen (GA 133, 20.6.1912 und viele weitere Stellen). Es gibt 38 Madonnen von Raffael. Das war der Inbegriff jener „tausend Bilder“, die Novalis in seinem früheren Erdenleben als Raffael selbst gemalt hatte. Durch eine glückliche Schicksalsfügung kam die Sixtinischen Madonna 20 Jahre vor der Geburt des Novalis nach Dresden, in die Umgebung, wo der wiedergeborene Raffael sein Leben verbrachte. 

Herzlich Ihr Friedwart Husemann 

By Friedwart Husemann
Friedwart Husemann

Unser ägyptisches Erbe, 2. Teil - Kopernikus und Ptolemäus

Rundbrief zur Anthroposophie

 

Liebe Freunde

Ita Wegman hat Hunderte von Briefen geschrieben, von denen jeweils ein Durchschlag erhalten geblieben ist. Peter Selg hat aus diesem Material 200 Briefe veröffentlicht (Ita Wegman „Medizinisch – Therapeutische Korrespondenzen“, Dornach, o. J., ca. 2008). Diese Briefe zeigen in erfrischender Weise ihr ermutigendes Wesen. So riet sie 1926 einem früheren Mitarbeiter, der in eine melancholische Stimmung geraten war: „Lesen Sie auch genügend „Anthroposophie“? z. B. möchte ich Ihnen so herzlich raten, den Zyklus „Welt, Erde und Mensch“ zu lesen. Es ist einer von den schönsten Zyklen. Ich könnte mir denken, dass gerade Sie sich für diesen Zyklus interessieren würden“ (S. 130). 

Aus diesem Zyklus (gehalten in Stuttgart 1908, GA 105) möchte ich Ihnen zwei „geheimnisvolle Kanäle“ (16.8.1908) referieren, durch die unsere Zeit mit der alten ägyptischen Zeit verbunden ist. 

Ein Beispiel, welches R. Steiner erwähnt, ist Kopernikus. Mit seinem neuen System legte er die Grundlage für unsere moderne, wissenschaftliche Denkweise. Aber man muss unterscheiden, was aus welcher Quelle stammt. Dass er die Sonne ins Zentrum stellte, war eine Erinnerung an die ägyptische Zeit, wo der Sonnengott Osiris geistig im Zentrum stand. Dass er aber das Sonnensystem zu einem mechanischen und toten Rotieren gemacht hat, kam aus einer anderen Quelle (16.8.1908).

Der materialistische Impuls, alles aus dem Toten heraus zu erklären, entstand erst nach der Begründung des Christentums. Es war im Sinne der „geistigen Weltenführung“ (GA 105, 16.8.1908), es war im Sinne der „Vorsehung“ (ebenda), dass nach der Begründung des Christentums ein Impuls entstand, „der das Denken des Menschen herunterstieß auf den tiefsten Punkt, so dass die Gedanken ganz gefesselt, gebannt wurden an das physische Leben. Das wurde durch die Araber und Mohammedaner gegeben. Der Mohammedanismus [zu R. Steiners Zeiten war dieses Wort politisch noch korrekt] ist nichts anderes als eine besondere Episode in diesem Arabertum, denn in seinem Herüberziehen nach Europa gibt er den letzten Einfluss in das rein logische Denken, das sich nicht erheben kann zu Höherem, Geistigen“ (ebenda). An anderer Stelle bemerkte R. Steiner zu diesem Phänomen des Arabismus, der eine Opposition gegen das Christentum machte, dass wir uns „die Weltregierung nicht so einfach vorstellen dürfen, wie wir es als Menschen gerne hätten“ (GA 235, 9.3.1924). Wieder an einer anderen Stelle heißt es sogar: „Es war einmal ein Segen Europas, dass über Südeuropa herüber die arabisch, maurische Kultur sich ausbreitete“ (GA 159/160, 15.5.1915). Die mittelalterliche, christliche Weltflucht, die nur auf das Jenseits gerichtet war, bekam ihr notwendiges Gegengewicht durch den Arabismus, der die Blicke der Menschen auf das Diesseits und die empirische Welt richtete. 

In diesem Sinne ist unsere moderne Wissenschaft, beginnend etwa mit Kopernikus, eine „Ehe zwischen ägyptischer Erinnerung und Arabismus“ (GA 105, 16.8.1908). Daneben sehen wir eine andere Ehe sich vollziehen, die nicht bloß auf das Mechanische und das Tote gerichtet ist, sondern dem Leben dienen will: das moderne Rosenkreuzertum. Das Rosenkreuzertum will „jenen harmonischen Zusammenklang von ägyptischer Erinnerung mit dem christlichen Kraftimpuls verwirklichen“ (ebenda). Die Anthroposophie will dieser zweiten Strömung zum Durchbruch verhelfen, ohne die erste zu vernachlässigen.

Die erwähnten zwei Strömungen – ägyptische Erinnerung und Arabismus einerseits oder ägyptische Erinnerung und Christentum andererseits – können wir überall beobachten. Bleiben wir noch bei Kopernikus. Sein System ist richtig, aber es gilt nur für die physisch, sichtbare Welt. Schon wenn wir die Planetensphären im Leben nach dem Tode, in der Biographie des Menschen, in der Ordnung unserer inneren Organe, in ihrem Bezug zu den Metallen oder in der Eurythmie kennen lernen: da gilt überall das geozentrische, ptolemäische System. Ist dies ein Widerspruch? Nein. Sondern es gilt: „Man stellt gewöhnlich die Himmelskarte des Ptolemäus derjenigen des Kopernikus gegenüber, wobei man die erstgenannte für irrtümlich erklärt. Das ist falsch. Beide sind gleicherweise wahr. Nur bezieht sich die Karte des Ptolemäus auf den Astralplan [theosophischer Begriff für die erste Form des Geistigen hinter der sichtbaren Welt, methodisch imaginativ erreichbar], und auf diesem Plan ist die Erde im Mittelpunkt der Planeten, und die Sonne ist selbst ein Planet. Die Karte des Kopernikus bezieht sich auf den physischen Plan, da steht die Sonne im Zentrum. Alle Wahrheiten sind relativ, je nach Zeit und Ort. Das System des Ptolemäus wird in einer folgenden Epoche rehabilitiert werden“ (GA 94, 14.6.1906). 

Gegenwärtig ist der Unterschied zwischen den beiden „geheimnisvollen Kanäle“ der, dass die anthroposophisch – rosenkreuzerische Strömung aus ihrem eigenen Weltverständnis heraus die moderne Wissenschaft in ihren Prinzipien voll anerkennt. Die physische Welt ist eine Tatsache und muss mit physischen Methoden erforscht werden. Die entsprechende Gegenliebe, dass die naturwissenschaftliche Strömung die anthroposophische anerkennen würde, ist noch nicht vorhanden. Das wird sich aber eines Tages ändern, z. B. wenn – wie oben erwähnt – das ptolemäische System rehabilitiert sein wird. 

Herzlich Ihr Friedwart Husemann

By Friedwart Husemann
Friedwart Husemann

Unser ägyptisches Erbe, 1. Teil

Rundbrief zur Anthroposophie

Liebe Freunde

Es gibt sieben nachatlantische Kulturperioden, wir leben zurzeit in der fünften (1413 bis ca. 3500). Die Kulturperioden sind aufeinander bezogen und innerlich miteinander verbunden. So wird die siebente Periode in gewisser Weise die erste wiederholen. Die sechste wird eine Wiederspiegelung der zweiten sein. Die dritte, also die ägyptisch – chaldäische Kulturperiode, kehrt in unserer fünften wieder. 

Die Namen der genannten Perioden bzw die Seelenglieder, die dabei ausgebildet werden bzw. noch ausgebildet werden sollen, sind folgendermaßen: 1. Uralt – indisch (Ätherleib) 2. Uralt – persisch (Empfindungsleib) 3. Ägyptisch – chaldäisch (Empfindungsseele) 4. Griechisch – römisch (Verstandesseele) 5. Gegenwärtige Periode (Bewusstseins Seele) 6. Slawische Kulturperiode (Geistselbst) 7. Amerikanische Kulturperiode (Lebensgeist). Jede Epoche dauert ca. 2100 Jahre, den zwölften Teil des platonischen Weltenjahres. Die uralt indische und die uralt persische Kulturperiode sind prähistorisch, ebenso wie die atlantische Flut, von der es zwar viele Sagen und Mythen bei fast allen Völkern gibt, aber historisch keine Belege. Nach den Forschungen R. Steiners ist die atlantische Flut (Sintflut der Bibel) eine gesicherte Tatsache.  

Was wir jetzt genauer betrachten wollen, ist unser ägyptisches Erbe. Das muss man heute wissen, um die Tendenzen in unserer Zeit richtig beurteilen zu können, z.B. auch so etwas wie die Corona Krise. Die geistige Führung dieser Epochen ist verschieden (Näheres in GA 15 „Die geistige Führung des Menschen und der Menschehit“). Bei der ersten und dann wieder bei der siebenten Epoche führten bzw. werden führen Engel, Erzengel und Urkräfte. Bei der zweiten und dann wieder bei der sechsten führten bzw. werden führen Engel und Erzengel. Während der ägyptischen Zeit und während unserer jetzigen, fünften Periode führten bzw. führen nur noch die Engel. In der griechisch – lateinischen Zeit führten keine höheren Hierarchien, sondern der Mensch war auf sich gestellt. In dieser vierten nachatlantischen Periode ereignete sich das Mysterium von Golgatha als Mittelpunkt aller Entwicklung.  

In der vierten Epoche waren es Menschen, die den Christus kennenlernten und ihn in sich aufnahmen. In der ägyptischen Periode waren es die Engel, die den Christus kennenlernten; in der zweiten Periode waren es die Erzengel und in der ersten waren es die Archai. Je höher die Hierarchien, desto früher haben sie den Christus kennenlernen können. In der geistigen Welt und in den Mysterien hatte man die Annäherung des Christuswesens an die Erde und sein künftiges Wirken auf der Erde vorhergesehen und mitverfolgt.  

Und jetzt das Problem, was einen beim ersten Kennenlernen erschüttern kann: nicht alle Engel in der ägyptischen Zeit haben sich der Führung des Christus unterstellt! Vielmehr ist eine gewisse Zahl der Engel zurückgeblieben, sie haben nicht die ihnen vorbestimmte Reife erreicht und müssen als luziferische Engel bezeichnet werden. Wir blicken hier in eine der vielen Ursprünge des Bösen in der Welt. Gleichzeitig werden wir aber auch das Notwendige und das innerlich Opfervolle eines solchen Zurückbleibens verstehen lernen. 

Unser ägyptisches Erbe besteht aus zwei Strömen. Einerseits die Engel, die sich der Führung des Christus unterstellt haben, sie wollen uns jetzt in dieser fünften Periode zu Christus und zu einer spirituellen Auffassung des Lebens führen. Rosenkreuzertum und Anthroposophie bemühen sich, dieser Strömung einen Ausdruck zu geben. Andererseits die damals in Ägypten zurückgebliebenen, luziferischen Engel. Sie sind heute die Inspiratoren des Materialismus. Die ägyptische Kultur hatte „einen starken materialistischen Einschlag ihrer Spiritualität, der sich zum Beispiel darin einen Ausdruck gab, dass man den physischen Leib der Verstorbenen einbalsamierte…Aus der Gesinnung, welche die Leichen einbalsamierte, wurden die Anschauungen, die heute bloß den Stoff anbeten“ (GA 15, II). Wenn man heute sagt, die Welt besteht aus Atomen, so rührt das von den Engeln her, die in der ägyptischen Zeit luziferisch geworden sind und heute materialistisch wirken. Wenn es nach den christlichen Engeln aus der ägyptischen Zeit gehen würde, dann würden die Menschen heute ganz anders denken. Und so wird es in Zukunft tatsächlich auch sein, dass es nämlich Physiker und Chemiker geben wird, die nachweisen, wie „der Christus die Materie angeordnet hat“ (GA 15, III). Der christliche Impuls wird sich durchsetzen. 

Und warum ist es geschehen, dass den christlichen Engeln ein solcher Widerpart entstanden ist? Ohne diesen Widerstand würde es unserer Kultur an der nötigen Schwere fehlen. Die schönsten Dinge können zu Verführern und Versuchern werden: „So wahr es ist, dass die Menschheit durch ihre edlen Impulse vorwärtsgebracht wird, so wahr ist es auch, dass durch die schwärmerische und fanatische Vertretung der edelsten Impulse das Schlimmste für die richtige Entwicklung bewirkt werden kann“ (GA 15, II; wieder zitiert in GA 173 c, 20.1.1917). 

Das Böse hat um der Freiheit des Menschen willen seinen guten Sinn. „Alles, was zu irgendeiner Zeit ein Unvollkommenes, ein Zurückgebliebenes darstellt, wird in der Entwicklung doch zu einem Guten gewendet. Dass in einer solchen Wahrheit keine Rechtfertigung der bösen Handlungen des Menschen gesehen werden darf, braucht wohl nicht erst erwähnt zu werden“ (GA 15, II). 

Wir werden diesen Zusammenhang in den nächsten Rundbriefen weiterverfolgen. Vorerst wollen wir bei dem bisher Gesagten inhaltlich noch etwas verweilen. Im Alltag ärgert es einen doch allzu leicht und immer wieder, wenn man auf den „Vater aller Hindernisse“ trifft, wie Faust seinen Gefährten nannte (Faust II, Finstere Galerie, Vers 6205). Und wir halten deswegen noch etwas Umschau, was andere große Geister zu diesem Problem gesagt haben. 

Im „Prolog im Himmel“ spricht der Herr, also Gottvater, den guten Sinn des Bösen unmittelbar so aus, wie wir es bei R. Steiner kennenlernen:

„Des Menschen Tätigkeit kann allzu leicht erschlaffen,

Er liebt sich bald die unbedingte Ruh;

Drum geb‘ ich gern ihm den Gesellen zu,

Der reizt und wirkt und muss als Teufel schaffen.“ (Faust I, Verse 340 – 343). 

Und Christian Morgenstern hat die hier erörterten Zusammenhänge in ein Naturbild gebracht, wodurch eine versöhnliche Stimmung aufkommt:  

Was wärst du, Wind, 

wenn du nicht Bäume hättest 

zu durchbrausen; 

was wärst du, Geist, 

wenn du nicht Leiber hättest, 

drin zu hausen! 

All Leben will Widerstand. 

All Licht will Trübe. 

All Wehen will Stamm und Wand, 

dass es sich dran übe. 

 

Herzlich Ihr Friedwart Husemann

By Friedwart Husemann
Friedwart Husemann

Selbstkritik und Selbsterkenntnis

Rundbrief zur Anthroposophie

Liebe Freunde

Nach R. Steiner ist „die Selbsterkenntnis die Grundlage aller Erkenntnis“ (GA 28, Kap. XX). Auch die Selbstkritik ist psychologisch sehr wichtig. So heißt es doch in der Bibel, dass die Freude im Himmel über einen Sünder, der Busse tut, größer ist als über 99 Gerechte (Lukas 15,7). 

Trotzdem oder vielleicht sogar gerade deswegen liegen an diesen beiden Punkten viele Gefahren und Fallstricke. Wilhelm Busch hat in seiner „Kritik des Herzens“ die folgenden klassisch gewordenen Verse geschrieben: 

Die Selbstkritik hat viel für sich.

Gesetzt den Fall, ich tadle mich;

So hab' ich erstens den Gewinn,

Daß ich so hübsch bescheiden bin;

Zum zweiten denken sich die Leut,

Der Mann ist lauter Redlichkeit;

Auch schnapp' ich drittens diesen Bissen

Vorweg den andern Kritiküssen;

Und viertens hoff' ich außerdem

Auf Widerspruch, der mir genehm.

So kommt es denn zuletzt heraus,

Daß ich ein ganz famoses Haus.

Goethe schrieb im „Wilhelm Meister“ (3. Buch, 10. Kapitel) anlässlich eines Gespräches, das Wilhelm mit Philine führte: „Er [Wilhelm] hatte zu wenig Kenntnis der Welt, um zu wissen, dass eben ganz leichtsinnige und der Besserung unfähige Menschen sich oft am lebhaftesten anklagen, ihre Fehler mit großer Freimütigkeit bekennen und bereuen, ob sie gleich nicht die mindeste Kraft in sich haben, von dem Wege zurückzutreten, auf dem eine übermächtige Natur sie hinreißt.“ 

Goethe und Wilhelm Busch nehmen die Situation aufs Korn, wo jemand von der eigenen Selbsterkenntnis oder von der eigenen Selbstkritik zu anderen Menschen spricht. In ähnlichem Sinne meinte auch R. Steiner: „Der Augenblick der Selbsterkenntnis ist ein ernster. Es wird in der Welt viel zu viel von der Selbsterkenntnis philosophiert und theoretisiert. Dadurch wird der Seelenblick eher von dem Ernste abgelenkt, der mit ihr verbunden ist, als zu ihr hingetrieben (GA 17, Kap. „Von dem Hüter der Schwelle…“). 

Letztlich ist es so, dass wir im Hinblick auf die Selbsterkenntnis große Feiglinge sind, ohne dass wir es merken. Auf dem Pfad der Erkenntnis ist die Fähigkeit, sich selbst als Fremder gegenüberzustehen, die zweite Bedingung. Die erste Bedingung auf diesem Weg ist die Demut und Verehrung gegenüber Wahrheit und Erkenntnis (nicht gegenüber Menschen) - („Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“, 1. Kapitel). Jene Selbsterkenntnis oder die Fähigkeit, sich selbst als Fremder gegenüberzustehen, sei es moralisch oder bildhaft als Rückschau, ist schwer, wie jeder weiß, der es schon probiert hat. 

Deswegen brauchen wir jede Art von Hilfe, um das immer tapferer und besser zu bewerkstelligen. Die Situation, die jeder kennt, ist die Reue: „alles habe ich falsch gemacht, es ist schrecklich, ich bin verworfen und verdammt“. Melancholiker baden sich in solchen Gefühlen und Gedanken, von denen sie nicht loskommen. Die andere, selbstgefälligere Variante ist: „ich habe alles richtig gemacht, wenn ich noch einmal anfangen könnte, würde ich es genauso wieder machen.“ Menschen, die ein erfolgreiches Leben gehabt haben, sagen so etwas gerne. 

Und welche Hilfe gibt es hier, damit wir uns orientieren können? Die Meinung: ich habe alles richtig gemacht, die ist ahrimanisch (GA 166, 30.1.1916). Man bleibt bei dem hängen, was äußerlich geschehen ist. Die Meinung: ich habe alles falsch gemacht, die ist luziferisch (ebd.). Man bleibt bei sich selbst hängen und möchte ein besserer Mensch gewesen sein als man gewesen ist. R. Steiner sagte deswegen an vielen Stellen, dass die Reue egoistisch sei (z.B. GA 293, 23.8.1919). 

Ahriman flüstert uns ein: „du hast alles gut gemacht“. Luzifer andererseits macht uns ein schlechtes Gewissen: „du hast alles falsch gemacht“. Demgegenüber können wir in der Mitte zwischen Luzifer und Ahriman den Christus - Ernst der Selbsterkenntnis finden, der uns dann wirklich einen Schritt vorwärtsbringt. 

Herzlich Ihr Friedwart Husemann  

By Peter Scheeder
Peter Scheeder

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