Dr.med.Friedwart Husemann war Facharzt für Innere Medizin und versierter Anthroposoph mit tiefem Hintergrundwissen. Friedwart Husemann verstarb am 3.Februar 2022 unerwartet.
Er verfasste einen regelmäßigen, sehr bemerkenswerten Rundbrief zu vielen aktuellen Themen der Anthroposophie. Einige dieser Rundbriefe sind hier öffentlich wiedergegeben, noch mehr seiner Rundbriefe finden Sie im internen Bereich der Seite, der erst nach Anmeldung zugänglich ist.
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Liebe Freunde,
kürzlich erschien in der Wochenschrift „Das Goetheanum“ eine Kontroverse, die Wolfgang Held mit einem Aufsatz über das neue G5 Funknetz eröffnete (Nr. 3-4, 18.1.2019). Die Einrichtung dieses Funknetzes wurde von ihm kaum in Frage gestellt, sondern im Gegenteil als Befreiung von Raum und Zeit freudig begrüßt.
Rundbrief zur Anthroposophie
Liebe Freunde,
der Schlaf ist der kleine Bruder des Todes. Wir durchlaufen schlafend einen Stufengang, der ein Abbild des Lebens zwischen Tod und neuer Geburt ist. Wenn uns dies immer mehr bewusst wird, fangen wir an, uns zu bemühen, das Einschlafen würdig zu gestalten. Wir sind dazu berufen, ein Bewusstsein von der Heiligkeit des Schlafes wieder zu erringen. Rudolf Steiner gab dazu viele Anregungen. Es ist zum Beispiel so, dass wir in der Mitte zwischen Einschlafen und Aufwachen unserem Engel begegnen. Darauf kann man einschlafend bewusst hinblicken:
„Ich schlafe ein. Bis zum Aufwachen wird meine Seele in der geistigen Welt sein. Da wird sie der führenden Wesensmacht meines Erdenlebens begegnen, die in der geistigen Welt vorhanden ist, die mein Haupt umschwebt, da wird sie dem Genius begegnen. Und wenn ich aufwachen werde, werde ich die Begegnung mit dem Genius gehabt haben. Die Flügel meines Genius werden herangeschlagen haben an meine Seele“
(GA 175, 3. Vortrag, 20.2.1917).
Durch solch eine Besinnung beim Einschlafen gewinnt unsere Seele nachts mehr Kraft für den Alltag am nächsten Tag, ja sie wird dazu geeignet, den Materialismus zu überwinden: „Ob man eine solche Empfindung lebendig macht, wenn man an sein Verhältnis zum Schlaf denkt, oder ob man es nicht tut, davon hängt sehr, sehr viel ab in Bezug auf die Überwindung des materialistischen Lebens. Diese Überwindung des materialistischen Lebens kann nur durch die Erregung intimer, aber auch der geistigen Welt entsprechender Empfindungen geschehen. Nur wenn wir recht rege machen solche Empfindungen, dann wird das Leben im Schlafe so intensiv sein, dass andererseits die Berührung mit der geistigen Welt so stark ist, dass nach und nach unser waches Leben sich erkraften kann, und wir da nicht bloß die sinnliche Welt, sondern die geistige Welt um uns haben, die doch die wirkliche, die wahrhaft wirkliche Welt ist“ (ebenda). Wir sind es ja vor allem selbst, die wir unseren eigenen Materialismus, der in jedem von uns noch steckt, überwinden müssen.
Wenn Sie mit diesem Spruch einschlafen, kann es Ihnen passieren, dass Sie am nächsten Morgen bei Ihrer Morgenmeditation das Gefühl haben, dass Ihr Engel Ihnen zuschaut beim Meditieren. Das ist ein wunderbares Erlebnis. Aber es ist charakteristischer Weise so, dass dieses Erlebnis nicht so schnell wiederkommt. Schon bei der nächsten Meditation ist es nur noch ein blasses Erinnerungsbild und bei der übernächsten ist es verschwunden. Die wirklichen geistigen Erlebnisse gehen wieder weg und kommen ganz anders wieder als wir erwarten. Daher muss man so ein Erlebnis richtig verstehen: es ist „ein Fall, der für Tausende gilt“, wie Goethe sagte (über Galilei in „Materialien zur Geschichte der Farbenlehre“). Das hier geschilderte Erlebnis, also der Fall für Tausende im Sinne Goethes, zeigt uns, dass es die geistige Welt gibt, und dass wir auf dem rechten Weg zu ihr sind.
Oder Sie sind gerade mit etwas beschäftigt und arbeiten. Sie denken neben der eigentlichen Arbeit an etwas, wovon Sie merken, das bringt Sie in eine falsche oder negative Richtung. Sie finden den Impuls zur Selbsterziehung und schicken die negative Vorstellung weg und konzentrieren sich auf die vorliegende Arbeit. Bei dem erwähnten Impuls zur Selbsterziehung fühlen Sie eine Aufwärtsbewegung Ihrer Seele und Sie fühlen, wie in diesem Moment der Engel sich Ihnen genähert hatte. Er ist durch Ihr seelisches Leben gegangen, er hat Sie besucht. Das ist eine weitere mögliche Folge dessen, wenn Sie abends mit der Meditation „Ich schlafe ein…“ den Tag beschließen.
Herzlich Ihr Friedwart Husemann
Liebe Freunde,
der Zyklus, in welchem Rudolf Steiner besonders ausführlich auf die vier Stufen der Einweihung nach Apuleius eingeht, ist GA 144 „Die Mysterien des Morgenlandes und das Christentum.“
Liebe Freunde
Frau Bodil Lewis, eine Leserin dieser Rundbriefe aus Dänemark [die Genannte ist mit ihrer Nennung einverstanden], stellte die Frage: „Im Bologna-Vortrag wird gesagt, dass das wirkliche Ich nicht zu finden ist im Leibesinneren, dies ist nur ein Abbild. In GA 143, S.163 wird gesagt, dass am Freitag, 3. April im Jahre 33 um 15 Uhr das Ich im Menschen geboren wird, vom Kosmos kann man die Menschen sehen als kleine Leuchter. Ich lese es als das "Christus im mir." Aber wie verhält sich das zu dem genannten Abbild? Das Ich, Christus in mir, und ein Abbild geht ja nicht zusammen??“
Liebe Freunde,
durch die Aufmerksamkeit einer Leserin dieser Rundbriefe, Frau Dr. Ulrike Remer aus Amelinghausen [die Genannte ist mit ihrer Nennung einverstanden], wurde mir eine Meditation über die oberen und die unteren Götter bekannt. Quelle für Frau Remer war ein Vortragsmanuskript von Friedrich Sattler (Talhof). Die Meditation selbst stammt von R. Steiner und wurde publiziert in GA 267, S. 447. Sie hat folgenden Wortlaut:
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