Liebe Freunde,

der Zyklus, in welchem Rudolf Steiner besonders ausführlich auf die vier Stufen der Einweihung nach Apuleius eingeht, ist GA 144 „Die Mysterien des Morgenlandes und das Christentum.“

Hier werden im vierten Vortrag vom 7.2.1913 (früher irrtümlich 6.2.) die oberen und die unteren Götter den oberen und den unteren Wesensgliedern zugeordnet: „Es ist ein Stehen vor unteren Göttern, wenn man auf der einen Seite diejenigen Kräfte wahrzunehmen hat, welche alles regieren, was sich auf die menschliche Leiblichkeit bezieht, die im Schlafe zurückbleibt als physischer Leib und Ätherleib. Da hat man es zu tun mit den unteren Göttern im weitesten Sinne des Wortes. Auf der anderen Seite hat man von den oberen Göttern bei all den Kräften zu sprechen, die zu tun haben mit der innersten Wesenheit des Menschen, mit dem also, was durch die verschiedenen Inkarnationen durchgeht: Ich und astralischer Leib.“

               Dieser Zusammenhang ist für uns, nachdem wir inzwischen so viel über diese Polarität erfahren haben, sehr interessant, weil Schlafen und Wachen dadurch in ein ganz überraschendes Licht gerückt werden. Wir schlafen ein, und unsere Seele erhebt sich zu den oberen Göttern. Was im Bett liegen bleibt, entspricht den unteren Göttern. Tags sind beide Welten verbunden. Der eigentliche, d.h. in die Zukunft führende Christusimpuls, der obere und untere Götter miteinander verbindet, liegt also im Wachen bzw. ist wachend verwirklicht! Man fühlt sich erinnert an die Zeit, wo die oberen und die unteren Götter noch jedem gebildeten Menschen selbstverständlich waren, und wo es entsprechend hieß: „Den seinen gibt’s der Herr im Schlafe“ (Psalm 127).  Seit Christi Erdenleben ist dies anders. Da heißt es: „Könnt ihr nicht eine Stunde mit mir wachen?“ (Matthäus 26) Die Zukunft liegt nicht im Schlafen und im Zurückfallen in alte Bewusstseinsstufen, sondern die Zukunft liegt im Erwachen. Heute brauchen wir dazu noch den physischen Leib, deswegen müssen wir auch noch schlafen, später werden wir aber auch ohne den physischen Leib wachend bleiben können.

               In den folgenden Rundbriefen bringe ich zuerst einen Text über das Einschlafen im Hinblick auf die oberen Götter und dann einen Text über das Einschlafen im Hinblick auf die unteren Götter.

Herzlich Ihr Friedwart Husemann