Liebe Freunde,
kürzlich erschien in der Wochenschrift „Das Goetheanum“ eine Kontroverse, die Wolfgang Held mit einem Aufsatz über das neue G5 Funknetz eröffnete (Nr. 3-4, 18.1.2019). Die Einrichtung dieses Funknetzes wurde von ihm kaum in Frage gestellt, sondern im Gegenteil als Befreiung von Raum und Zeit freudig begrüßt.
Jens Göken, Michaela Glöckler, Andreas Neider und Johannes Greiner haben dazu kritisch geantwortet; W. Held reagierte dann noch einmal mit einem Schlusswort (Nr. 6, 8. Febr. 2019). Inzwischen habe ich einen Aufruf von 160 Wissenschaftlern aus 40 Ländern aus dem Jahr 2018 kennengelernt, welcher dringend vor den gesundheitlichen Gefahren des neuen G5 Netzes warnt und dazu über 100 Literaturstellen zitiert.
Bei so etwas wie dem Funknetzt befürwortet niemand von uns etwas, was eindeutig gesundheitsschädlich ist, auch Wolfgang Held natürlich nicht. Aber ganz unabhängig von ihrer medizinisch nachgewiesenen Schädlichkeit oder Unschädlichkeit hat die Technik aus anthroposophischer Sicht eine starke Wirkung auf die Seele des Menschen, die spirituell ausgeglichen werden muss. Der immer weiter sich entwickelnden Unternatur des technischen Fortschritts muss ein entsprechender Fortschritt in Richtung Übernatur, in Richtung der Erforschung des Übersinnlichen entgegengesetzt werden, damit dem Menschen die Ebene der Natur wenigstens als seelisch-geistiges Gleichgewicht erhalten bleibt. So hat es R. Steiner in seinem letzten Michaelbrief mit seinen letzten Leitsätzen (GA 26) dargestellt. Diesen grundlegenden Gedanken haben Michaela Glöckler und Andreas Neider in der erwähnten Kontroverse zur Geltung gebracht. Weil es sich um ein so brennendes Problem handelt, will ich mich in diesem und dem nächsten Rundbrief dieser Sache widmen.
1. Die „Philosophie der Freiheit“ entstand im Anschauen des modernen Verkehrslebens und der modernen Maschinentechnik
„Die Philosophie der Freiheit“ beruht nicht auf einer philosophischen, humanistischen, abendländischen oder christlichen Tradition! Obwohl man diese genannten Elemente sämtlich in diesem Buch wiederfinden kann. Sondern R. Steiner legte Wert darauf, zu betonen, dass dieses Buch „im Anblick des modernen Verkehrslebens“ entstanden ist. „Meine Schule, meine wichtigste Schule [für dieses Buch] war die Anschauung des modernen Verkehrslebens, das ich von der frühesten Kindheit an immer jeden Tag vor mir hatte als der Sohn eines kleinen Eisenbahnbeamten…was, wenn auch vielleicht damals von einem engen Horizont aus, unmittelbar zusammenhängt in Bezug auf das Kommerzielle mit einer solchen Situation. Dann wiederum konnte ich meine Studien mehr als durch irgendeine Schule fortsetzen, da ich jahrelang als Erzieher mich beschäftigen musste mit den Söhnen von Leuten [Familie Specht, deren Vater einen internationalen Handel mit Baumwolle betrieb], die im Wesentlichen drinnen standen in wichtigen industriellen und Vekehrszweigen der Gegenwart…“ (GA 73 a, 15.1.1921). In demselben Vortrag erzählt R. Steiner, dass er nicht auf der Universität, sondern auf einer Technischen Hochschule studierte. Er war ja auch nicht auf dem Gymnasium, sondern hat sein Abitur auf einer Realschule gemacht. Durch all dies konnte er beobachten, wie die Technik, wie die Maschine ein Reich aufbaut, das den Menschen von sich selbst entfernt. Mit der Technik entsteht ein Reich, das dem Menschen keine ethischen Impulse mehr geben kann. Deswegen musste R. Steiner in der „Philosophie der Freiheit“ den ethischen Individualismus begründen, damit der Mensch im Gegenzug zur Technik ganz auf das eigene Innere , auf das „vom reinen Denken durchsetzte Wollen“ (ebenda) sich konzentrieren kann, um von dort seine ethischen Impulse zu holen. Auf diese Weise entsteht „Vertrauen“ unter den Menschen. Und ohne Vertrauen ist das soziale Leben nicht möglich (ebenda).
„Die Philosophie der Freiheit“ ist im Anschauen der Technik entstanden, um dem Menschen seine ethische Freiheit vor der Technik zu bewahren. Die Technik für sich allein, also ohne den ethischen Individualismus, führt in den Untergang des Abendlandes im Sinne Oswald Spenglers (ebenda), der damals viel gelesen wurde.
2. Die Dämonen des Quietschens, Krächzens und Knarrens von Maschinen
Rudolf Steiner erzählt an einer anderen Stelle, wie man im Schlafwagen oder auf einem Dampfschiff schläft und die ahrimanisch – dämonischen Elementargeister in dem Gequietsche und Gekrächze der Mechanismen wahrnehmen kann. Aber auch wenn wir zuhause schlafen, lebt unsere Seele jede Nacht in einer ahrimanisch, dämonischen Umgebung, die nicht selbst naturhaft gewachsen ist, sondern die von uns geschaffen wurde. Wir müssen uns deswegen heutzutage schlafend überall mit einer Welt durchdringen, die für unsere Seele und für unseren Geist etwas eminent Zerstörerisches hat. Dennoch können wir davor nicht fliehen: „Denn das muss so sein, dass wir überall die Dämonen hineinströmen lassen und uns von ihnen umgeben lassen. Das liegt in der Entwicklung der Menschheit“ (GA 157, 19.1.1915). Und was diesen ahrimanischen Kräften Widerstand leisten kann, ist das Verstehen der Geisteswissenschaft, das bis zu Michael und bis zu Christus dringt. Der Vortrag handelt u. a. von der Jungfrau von Orleans, und R. Steiner resümiert: so wie die Jungfrau von Orleans damals gegen Luzifer, so ist heute das Verstehen der Anthroposophie gegen Ahriman wirksam (ebenda).
Dasselbe gilt heutzutage für Handy Masten oder für den sogenannten Elektrosmog oder für die verschiedenen Funknetze. Eine gewisse Menge davon ist unvermeidlich. Aber sie soll uns dazu auffordern, das entsprechende Gegengewicht zu suchen und zu finden.
Herzlich Ihr Friedwart Husemann
P.S. Der für diesmal eigentlich vorgesehene Rundbrief über das Einschlafen im Hinblick auf die unteren Götter erscheint dann erst das übernächste Mal.