Liebe Freunde,
durch die Aufmerksamkeit einer Leserin dieser Rundbriefe, Frau Dr. Ulrike Remer aus Amelinghausen [die Genannte ist mit ihrer Nennung einverstanden], wurde mir eine Meditation über die oberen und die unteren Götter bekannt. Quelle für Frau Remer war ein Vortragsmanuskript von Friedrich Sattler (Talhof). Die Meditation selbst stammt von R. Steiner und wurde publiziert in GA 267, S. 447. Sie hat folgenden Wortlaut:
„Die oberen Götter
Wirken in der Weisheit
Die unteren Götter
Wirken in der Liebe.
Von Weisheit zur Liebe
Von Liebe zur Weisheit
Liebe trag ich im Wesenskern
Hoffnung heg` ich bei jeglichem Tun.“
Empfänger dieser Meditation war Ernst Stegemann (1882- 1943). Er war ein wichtiger Mit-Initiator des Landwirtschaftlichen Kurses von 1924. Mit Erhard Bartsch zusammen war er der Schöpfer des Wortes „biologisch-dynamisch“, wobei das Wort „dynamisch“ von Stegemann stammte. Er bewirtschaftete bis 1943 das 140 Hektar große Gut Marienstein bei Göttingen. Schon 1922 bekam er erste Hinweise Rudolf Steiners zur Reform der Landwirtschaft. Die hier wiedergegebene Meditation bekam Stegemann allerdings schon 1907. Rudolf Steiner malte dazu das Bild einer Pflanze, Licht und Luft gehören den oberen Göttern, die Erde mit der Wurzel gehört den unteren Göttern. Es ist bemerkenswert, wie Rudolf Steiner mit dieser Meditation schon 1907 bei Stegemann einen Keim legte, der dann nachher sich so schön weiterentwickelt hat. Stegemann hat diese Meditation später als sogenannte „Saatgut – Meditation“ weitergegeben.
Zu diesem Bild von den oberen und den unteren Göttern passt die Mitteilung von Albert Steffen in seinem Nachwort zu „Der Sturz des Antichrist“, wo er Demeter den unteren Göttern und Helios den oberen Göttern zuordnet. Demeter ist die Göttin der Erde, Helios ist der Sonnengott.
Der ganze hier aufgezeigte Zusammenhang ist ein passender Gedanke für die jetzige Zeit zwischen den Jahren, wo die Samen der Erde zur Ruhe kommen und für das ganze kommende Jahr von den Fixsternen imprägniert werden (Silvestervortrag, 31.12.1915 in GA 165).
Herzlich Ihr Friedwart Husemann
P.S. In der Süddeutschen Zeitung vom 31. 12. 2018 kam zum Auftakt des Waldorf – Jahres (100 Jahre) ein sehr schöner und inhaltvoller Artikel einer Waldorfschülerin über ihre eigene Schulzeit mit einem großen Bild aus ihrem Epochenheft. In dem Artikel ist eigentlich alles Wichtige enthalten, sogar der Morgenspruch, mit dem der Aufsatz beginnt und abschließt. Dazu ein sehr moderates Interview mit dem Erziehungswissenschaftler Heiner Ullrich. Alles ohne irgendeinen gehässigen Nebenton. Im Ganzen sehr erfreulich.