Rundbrief zur Anthroposophie

Liebe Freunde

Wir leben in schwierigen Zeiten, und dadurch ist jeder von uns aufgefordert, sich auf sich selbst und seine eigenen Kräfte zu besinnen. 

Dazu hilfreich ist ein Spruch R. Steiners, der die Überschrift „In Todesgefahr“ trägt. Diese Überschrift gibt viel zu denken. Eine der Deutungen ist diese, dass wir auch in der größten Angst oder Gefahr auf die höchsten Ideale des Menschentums uns besinnen mögen: 

In Todesgefahr

Du Geist meines Lebens, schützender Begleiter,

Sei Du in meinem Wollen die Herzensgüte,

Sei Du in meinem Fühlen die Menschenliebe,

Sei Du in meinem Denken das Wahrheitslicht

(GA 268, S. 190)

Der schützende Begleiter unseres Lebens ist unser Schutzengel. Er beherrscht den Teil unseres Astralleibes, den unser Ich noch nicht beherrschen kann (GA 105, 6.8.1908).

Vor einiger Zeit schickte ich Ihnen schon einmal eine Anrede an den Engel. In den Karma Vorträgen (Band VI) gibt es die Stelle, wie man sich an den Engel wenden kann, bevor man sich zu einer Handlung entschließt: „…und wenn der Mensch irgendetwas tut, so soll er an seinen Angelos denken, etwa so: „Mein schützender Geist empfange dasjenige, was meine Tat ist, als eine Wurzel und bringe Früchte daraus hervor.“ Je bildlicher, je anschaulicher also anknüpft ein Mensch eine solche Ansprache an seinen Angelos für Taten, die in der Zukunft Früchte tragen sollen, desto mehr wird von diesen Früchten in der Zukunft vorhanden sein“ (GA 240, 28.1.1924, in Zürich).

Eine weiterer Hinweis gestaltet den Augenblick vor dem Einschlafen: „Ich schlafe ein. Bis zum Aufwachen wird meine Seele in der geistigen Welt sein. Da wird sie der führenden Wesensmacht meines Erdenlebens begegnen, die in der geistigen Welt vorhanden ist, die mein Haupt umschwebt, da wird sie dem Genius begegnen. Und wenn ich aufwachen werde, werde ich die Begegnung mit dem Genius gehabt haben. Die Flügel meines Genius werden herangeschlagen haben an meine Seele.“ 

Der Genius ist dasselbe wir der Angelos oder Engel. Und R. Steiner fährt fort mit einem Hinweis, der für diejenigen wichtig sein könnte, die fragen, was man denn jetzt in dieser schwierigen Zeit tun könne: 

„Ob man eine solche Empfindung lebendig macht, wenn man an sein Verhältnis zum Schlafe denkt, oder ob man es nicht tut, davon hängt sehr, sehr viel ab in Bezug auf die Überwindung des materialistischen Lebens. Diese Überwindung des materialistischen Lebens kann nur durch die Erregung intimer, aber auch der geistigen Welt entsprechender Empfindungen geschehen. Nur wenn wir recht rege machen solche Empfindungen, dann wird das Leben im Schlafe so intensiv sein, dass andererseits die Berührung mit der geistigen Welt so stark ist, dass nach und nach auch unser waches Leben sich erkraften kann, und wir da nicht bloß die sinnliche Welt, sondern die geistige Welt um uns haben, die doch die wirkliche, die wahrhaft wirkliche Welt ist“ (GA 175, 20.2.1917). 

Jetzt im Advent vielleicht eine würdige Beschäftigung, sich mit solchen Inhalten zu befassen. 

Herzlich Ihr Friedwart Husemann