Rundbrief zur Anthroposophie

Liebe Freunde

Der Osiris Mythos erzählt, wie Osiris von seinem Bruder Typhon (Seth oder Ahriman) getötet und später auch zerstückelt worden ist. Osiris wurde in den Nil geworfen und nach Asien geschwemmt. Seine Gemahlin Isis suchte nach dem verlorenen Osiris und fand seine vierzehn Stücke wieder, die sie jedes einzeln in der ägyptischen Erde begrub. Osiris war ein Sonnenwesen und wurde durch diese Verwandlung ein Erdenwesen. Der Ägypter sah die Fruchtbarkeit der Erde vom Frühling bis zum Herbst mit dieser zur Erde gewordenen Osiris Kraft verbunden. 

In Christus, der durch das Mysterium von Golgatha mit der Erde sich verbunden hat, erschien eine Kraft, die dem Sonnengott Osiris ähnlich ist, aber doch viel Größeres bewirkt hat. So, wie den Ägyptern der Osiris verloren gegangen ist, so kann uns der Christus nicht verloren gehen. Er ist bei uns alle Tage bis an der Welt Ende (Matthäus 28,20). Was uns aber tatsächlich verloren gegangen ist, das ist die Weisheit, um den Christus zu verstehen. Diese Weisheit nannte man früher die göttliche Sophia. R. Steiner nennt sie in diesem Zusammenhang die Isis und meint damit dasselbe. Die Gnostiker nannten sie Pistis-Sophia. Die Anthroposophie will eine Führerin zu dieser Sophia sein. In diesem Sinne nannte R. Steiner sie auch Anthroposophia. 

Nach dem, was uns verloren ging, gilt im Rückblick auf die ägyptische Zeit heute ein neuer Mythos. Damals ging der Osiris verloren, heute fehlt uns die Isis. So wie damals der Osiris von Ahriman getötet worden ist, so wurde die Isis von Luzifer getötet. Woran können wir diese Tat Luzifers erkennen? 

Die Gnosis, die Origenes und Clemens von Alexandrien noch vertraten, hat das Mysterium von Golgatha umfassend verstanden und Christus als das göttliche Sonnenwesen begriffen, das in dem Menschen Jesus drei Jahre lang gewirkt hat. Diese Gnosis wurde dann ab dem 3. Jahrhundert nach Christus von der christlichen Kirche ausgerottet. Dem entsprach übersinnlich der Vorgang, dass Luzifer die Isis getötet hat. Die Folge dieses Todes war, dass Isis in den Weltenweiten des Kosmos begraben worden ist. Osiris wurde in der Erde begraben, die Isis in den Weltenweiten. Dem entspricht, dass uns spätestens seit Kopernikus das Weltall zu einem leeren Raum geworden ist, in dem nur die tote Linie und die äußere Mechanik gelten. In Wahrheit lebt im Kosmos die Farbenaura der Isis. Im Hinblick auf diese farbenglänzende, lebendige Isis ist Goethes Farbenlehre entstanden, während Newton nur die im Kosmos getötete Isis begreifen konnte. In Wahrheit ist der Kosmos belebt von geistigen Wesen verschiedenster Art. All das ging uns um der Freiheit willen verloren. All das muss mithilfe des Christusimpulses individuell wieder errungen werden. 

Mit dem Christus im Herzen können wir die neue Isis in den Weltenweiten wiederfinden. Das Kapitel „Die Weltentwicklung und der Mensch“ in dem Buch „Die Geheimwissenschaft im Umriss“ enthält in diesem Sinne die Weisheit der wiedergefundenen Isis. Sie enthält auch eine Christologie, welche die Wiederverkörperung des einzelnen Menschen auf eine Wirkung des vorirdischen Christus, als er noch auf der Sonne wohnte, zurückführt. So wird uns die Isis zur lebendigen Sophia, zur geistigen Maria, wie R. Steiner sie auch nennt, zur Anthroposophia, was in diesem Zusammenhang jeweils dasselbe bedeutet.

Herzliche Grüße zu Weihnachten

Ihr Friedwart Husemann