Liebe Freunde

Im Folgenden finden Sie zwei Hinweise zu aktuellen Veröffentlichungen. Und aus Anlass der weltweiten Demonstrationen gegen den Rassismus sende ich Ihnen einen Bericht meines Bruders Frimut Husemann, der vor einigen Monaten als Priester der Christengemeinschaft eine Zeit lang in Südafrika gearbeitet hat. Laurens van der Post hat gesagt, Afrika sei der Spiegel der Welt. So wie es Afrika geht, so gehe es der Welt. Ein Wort, von dem man empfindet, dass es immer wahrer wird. 

Zwei Aktualitäten

In der neuesten Nr der Wochenschrift „Das Goetheanum“ (Ausgabe 23, 5.6.2020, Einzelheft und Abo Bestellung  bei Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. ) finden Sie den herausragenden Aufsatz „Coronanotstand - Der Missbrauch von Wissenschaft“ von Prof Michael Esfeld, der das verfehlte Corona Krisenmanagement darstellt und den bewirkten Schaden höher einschätzt als den uns öffentlich versprochenen Gewinn. Er schreibt: „…es kann keinen absoluten Schutz von Leib, Leben, Gesundheit, Eigentum durch die Staatsgewalt geben; denn das erfordert den absoluten Staat und damit die Unterdrückung der Freiheit. Die Würde des Menschen besteht in dessen Freiheit und der damit einhergehenden Verantwortung für das eigene Handeln. Diese Würde vernichtet man, wenn man die Menschen und ihren Freiheitsraum als Objekt stattlicher Lenkung behandelt, was auch immer das Ziel solcher staatlicher Lenkung sein mag.“ 

In der neuesten Nr. der Zeitschrift „info 3“ Juni/2020 (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.) finden Sie ein Interview mit dem Kinderarzt Steffen Rabe (Sprecher der Ärzte für individuelle Impfentscheidung). Dieser Mann ist außerordentlich kompetent und spricht sehr verständlich. Hier erfahren Sie die Möglichkeiten und Gefahren der uns jetzt öffentlich versprochenen Impfstoffherstellung.

Herzlich Ihr Friedwart Husemann

In Süd-Afrika

von Frimut Husemann

In Süd-Afrika kommen Dinge zusammen, die uns sonst weit auseinander gelegen begegnen. Zwischen einem Township, wo Menschen ohne die einfachsten Voraussetzungen für das Leben wohnen und einer Müllkippe, die sich als langgestreckter Hügel aus der Landschaft heraushebt, liegt ein Industriegebiet mit einer Fabrik, in der mit deutschen Maschinen Pflastersteine aus Beton hergestellt werden. Von den insgesamt 400 Beschäftigten sind hier vor Ort etwa die Hälfte tätig. In einer Produktionshalle hört der Besucher ein Streichquartett spielen, Arbeiter sitzen auf Paletten und Kanistern zwischen den Maschinen und hören zu. Mozart in Johannesburg, Schwarze spielen, Schwarze hören hingegeben zu, zwei Weiße stehen etwas abseits, der Besuch und seine Begleitung. Die Arbeiter kommen aus dem Township und sind froh, in der Fabrik Arbeit zu finden. Einmal in 14 Tagen kommen die Musiker und spielen in der Arbeitszeit 25 Minuten. Die Musiker spielen 3 Stunden in den Produktionsstätten und in den Büros der Fabrik. 

Das Ehepaar, welches diese Fabrik aufgebaut hat, David und Chandré, versuchen mit viel Phantasie und Seelenanteil die Dreigliederung des sozialen Organismus in der Fabrik und in der Gesellschaft einzuführen. Sie haben ein Spiel entwickelt, in dem die Spieler auf drei Ebenen, in drei Schwierigkeitsgraden, die Dreigliederung im Spielen anwenden und verstehen können. Auf dem Hof der Fabrik steht ein dreiarmiges Gestell, welches man auf den ersten Blick für ein Spielzeug oder Turngerät halten könnte. Es ist mehr: Die drei Arme, die auf einen Punkt zusammenlaufen, repräsentieren die drei Lebensspähren: Das Rechtsleben (der blaue Balken), das Wirtschaftsleben (der rote Balken) und das Geistesleben (der gelbe Balken). Bei Besprechungen kann es vorkommen, dass die Beteiligten dort hingehen und abwechselnd die drei Positionen einnehmen, auf die Balken steigen, und ein dreiseitiges Gleichgewicht herzustellen versuchen, in Gedanken aber auch auf dem Balancegerät, das einen Punkt hat, eine Kugel, wo die drei Balken zusammen kommen.(1)

Wie notwendig eine Neuordnung der sozialen Verhältnisse ist, erlebt jeder, der sich in Johannesburg einige Zeit aufhält. Auf einer Fahrt zu einem Park fährt man durch Straßen, die mit Mauern eingefasst sind, zusätzlich noch mit elektrisch geladenen Zäunen und Stacheldraht versehen. Überall große Schilder, welche Security Firma hier darüber wacht, daß niemand die Grenze des Privateigentums überschreitet. An den Ampeln betteln arme, heruntergekommene Menschen. Bei Rot in der Warteschlange begegnet man dem sozialen Weltproblem, von Mensch zu Mensch persönlich. Im Park muss dafür gesorgt sein, dass das Auto bewacht wird. Der Wächter bekommt dann ein paar Münzen, für die er sich rührend bedankt. Im Park gehen die Reichen ihre Hunde ausführen und erholen sich von dem Getriebe der Großstadt. An einem Fluss sieht man auf der anderen Seite eine Ansammlung von provisorischen Zelten aus Kunststofffolien zusammengebaut, dahinter ein Platz mit großen Mengen von Pappe, Berge von Plastikmüll und anderen Haufen, alles Abfälle. Schon auf den Straßen waren diese Männer aufgefallen, die gewaltige Kunststoffsäcke auf flachen Rollwagen durch den Verkehr ziehen. Sie kommen einem auf der „falschen“ Seite entgegen, oder wenn die Wägen leer sind, fahren sie auch mit großer Geschwindigkeit die Hügelstraßen von Johannesburg abwärts. Diese Männer arbeiten hart, sie durchsuchen die Abfalltonnen vor den Häusern der Reichen und trennen den Müll, was verwertet werden kann, nehmen sie mit. Dort beim Park wohnen sie und haben den Platz, wo die Materialien gesammelt werden. Solcher Plätze gibt es viele in Johannesburg. Ein Reiseführer gibt die Zahl der Obdachlosen in Johannesburg mit 1 Mio. an. Die dort Lebenden vermuten die Zahl viel höher. 

Jean Ziegler beschreibt das Weltproblem aus der Übersicht, die er als Beauftragter der UNO für die Welternährung bekommen hatte, als ein immer weiter wachsendes Übel, das heute in sein drittes Stadium gekommen ist. Die „kannibalische Weltwirtschaft“. Kannibalisch, also menschenfressend deshalb, weil durch die völlig legalen Praktiken der Weltwirtschaft täglich 35 000 Menschen verhungern oder durch die Folgen des Hungers auf Krankheiten so empfindlich reagieren, dass sie sterben. Wenn in den USA die Baumwollfarmer subventioniert werden, bleibt in Afrika (Mali) die Baumwolle liegen und die Menschen dort sind ohne Einkommen. Das Schlimme ist, dass die Folgen weltweit allen bekannt sind natürlich auch in Amerika. Vor der kannibalischen Weltwirtschaft war es der Kolonialismus, durch den die Europäer „ihre“ Dritte Welt ausgebeutet haben und davor war es die Ausrottung und Versklavung der Bevölkerung der sogenannten „Dritten Welt“. All das ging von dem Europa aus, das eine christliche Kultur aufgenommen hatte, in dem seit Jahrhunderten führende Geister auftraten, die das friedliche Zusammenleben und die Entwicklung des Menschen vorgedacht haben. Aber der Kampf um die materiellen Güter, der Egoismus im Wirtschaftsleben setzten sich bis jetzt immer stärker durch als das, was auch von Europa ausgehen könnte, ausgehen sollte.

Es gibt in Afrika große Reservate, in denen der Besucher alles das, was als Weltproblem erfasst werden kann, vergisst. Eine große Harmonie des Zusammenlebens zwischen Pflanzen und Tieren vermittelt die Stimmung einer Schöpfung wie sie ursprünglich gottgewollt auf der Erde sich entwickelte. Giraffen fressen hoch oben an Bäumen, die so viele Blätter haben, dass nichts fehlt, auch wenn noch so viele daran gefressen wird. Kleine Vögel picken den Giraffen die Parasiten aus dem Fell, Löwen brüllen, Nilpferde wälzen sich im Schlamm. Dieser natürliche Urzustand, in dem kein Mensch störend eingreift, wird künstlich erhalten, ein großer Zaun schützt das Gebiet, für Besucher gelten strenge Regeln. Solche Schutzräume sind auch für das Zusammenleben der Menschen notwendig.  Der innerste Schutzraum, in dem Harmonie und Gleichgewicht erzeugt werden kann, ist die eigene Seele, in die wir uns zurückziehen  können. Von dort, wo die Verantwortung für das Leben gefühlt wird, kommen auch die Lösungen, die rettenden Ideen, für die oben geschilderten Aufgaben, nicht wie Jean Ziegler meint, aus einer Revolution nach französischem Vorbild, deren Beginn er in der Flüchtlingsbewegung nach Europa hin und in dem Arabischen Frühling schon zu sehen glaubt. 

Was David und Chandré in ihrer Fabrik zu erreichen suchen, kann nicht mit dem schnellen Erfolg rechnen, der wenn er auch eintritt, noch nicht das Beste ist, sie rechnen, wie in einigen anderen Einrichtungen, die noch zu schildern sind, mit den wiederholten Erdenleben und der Zeit zwischen den Inkarnationen, in denen die Samen aufgehen, die auf der Erde gelegt, wo die Schicksalsbeziehungen wachsen und Kraft gewinnen, die im Sinne des guten Willens auf der Erde eingegangen wurden. 

Andere Schutzräume, in denen in Johannesburg in diesem Sinn gearbeitet wird, sind die Waldorfschulen, die schon vor der Aufhebung der Apartheit, ein sehr gutes Ansehen genossen, weil sie schon von Anfang an ohne Ansehen der Hautfarbe die Kinder aufgenommen haben. Eine der Waldorfschulen arbeitet sogar in einem Township. Wenn die Samen aufgehen werden, die seit 100 Jahren in den Waldorfschulen in der ganzen Welt ausgestreut werden, kann das soziale Weltproblem gelöst werden. Übrigens ist David, der Fabrikant, der die Dreigliederung in Johannesburg befördert, ein ehemaliger Waldorfschüler. 

Nach dem zweiten Weltkrieg gab es Menschen in Johannesburg, hauptsächlich jüdischen Ursprungs, die aus Europa nach Süd-Afrika geflüchtet sind, sie wollten hier die Christengemeinschaft haben. Seit 1965  ist in Johannesburg die Christengemeinschaft tätig. In den letzten Jahrzehnten hauptsächlich durch Reingard Knausenberger vertreten. Ihr Wirkungsfeld geht weit über Johannesburg hinaus. Abgesehen davon, dass sie das Gebiet Afrika als Lenkerin betreut, hat sie Taufen und Bestattungen, die weit von Johannesburg entfernt liegen. So zum Beispiel die Bestattung von Roswitha Groth, die 1974  mit ihrem Mann zusammen in Botsuana eine Einrichtung für Seelenpflege bedürftige Kinder gründete. Diese Einrichtung umfasst inzwischen 400 Menschen, Betreute und Betreuer zusammengezählt. In Botsuana ist das Verhältnis zwischen den europäisch orientierten Weißen und den Schwarzen weniger belastet, eine wirtschaftlich-soziale Trennung gab es nicht. Die Managerin M’Puh begegnet dem Besuch freundlich, aufmerksam, zart, aber durchaus selbstbewusst. Die Gesänge der Schwarzen bei der Abschiedsfeier von Renate Groth waren musikalisch hoch differenziert. Jeder durfte seine Stimme singen, Betreute und Betreuer, es gab keinen Misston und die musikalische Hülle nahm alle auf, auch die Fremden, die in der Sphäre der Musik nicht mehr fremd waren. 

So wie die Arbeiter in der Pflastersteinfabrik in Mozarts Musik lebten, so lebten wir als Europäer in Botsuana im Gesang der Menschen, die singend ihren Dank der Verstorbenen gegenüber zum Ausdruck brachten. In der Musik wird die Sphäre berührt, in der die Schicksale der Menschen und der Welt harmonisiert werden können.

Frimut Husemann, Priester in der Christengemeinschaft

(1) Bei Interesse an dem Spiel oder an dem Balanziergerät, schreiben Sie bitte an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

(2) Jean Ziegler, Der Hass auf den Westen: Wie sich die armen Völker gegen den wirtschaftlichen Weltkrieg wehren.