Rundbrief zur Anthroposophie
Liebe Freunde
Rudolf Steiner spricht an mehreren Stellen seines Werkes von der Inkarnation Ahrimans im Westen, die im Laufe des 21. Jahrhunderts sich ereignen wird („ehe auch nur eine Teil des dritten Jahrtausends abgelaufen sein wird…“ GA 191, 1.11.1919). Diese Inkarnation können wir nicht verhindern, aber wir müssen sie als solche erkennen. Im dritten Jahrtausend vor Christi gab es eine entsprechende Inkarnation Luzifers in China, die ebenfalls nicht verhindert werden konnte, sondern im Gegenteil rückblickend auch viel Gutes gebracht hat.
In der Bibel entspricht der Inkarnation Ahrimans das Kommen des Antichrist, über den Johannes in seinen 1. Brief schreibt. Solowjow hat die „Kurze Erzählung vom Antichrist“ geschrieben. Der Antichrist bei Solowjow verspricht: Gesundheit und Wohlstand für alle! Albert Steffen schrieb das Drama „Der Sturz des Antichrist“, welches 1933 (!) uraufgeführt wurde. Hans Scholl ging als Widerstandskämpfer von einem der Teestunden des katholischen Gelehrten Theodor Haecker nachhause, Haecker hatte die Schrift „Vom Kommen des Antichristen“ geschrieben. Und Hans Scholl sagte zu seinen Freunden: „Der Antichrist kommt nicht erst, sondern er ist schon da.“ Im nächsten Flugblatt der weißen Rose kam dann die Mitteilung, dass Hitler der Antichrist bzw. der Satan sei und dass man den Nationalsozialismus nur durch transzendente Begriffe verstehen könne.
Systematisch gesprochen darf man den Antichristen, die Inkarnation Ahrimans, und das Tier aus der Apokalypse mit der Zahl 666 nicht miteinander verwechseln, obwohl beide natürlich satanische Mächte sind. Nach den Vorhersagen R. Steiners (GA 346, 20.9.1924) müsste man für 1933 anthroposophisch exakt von dem Tier mit der Zahl 666 sprechen. Albert Steffen verlegte den Sturz des Antichristen an das Ende des 20. Jahrhunderts, wo die Zahl des Tieres sich verdreifachte (1998 = 3 X 666) und damit das Tier eine besondere Macht bekam, der Antichrist indessen damals sicher noch nicht erschienen war.
Andreas Neider hat in Heft 4 /2018 der Zeitschrift „Gegenwart“ einen sehr lesenswerten Artikel geschrieben mit dem Titel: „Vorbedingungen zur Inkarnation Ahrimans bereits heute weitgehend erfüllt.“ Rudolf Steiner nennt am 1.11.1919 (GA 191) 5 Bedingungen, die die Inkarnation Ahrimans vorbereiten. Andreas Neider folgend referiere ich wie folgt.
- Die rein materialistische Betrachtung des Kosmos. Wer die heutige Naturwissenschaft kennt, weiß, dass dies Voraussetzung schon lange gegeben ist.
- Das soziale und politische Leben wird nur nach dem wirtschaftlichen Wohlergehen ausgerichtet. Das ist ebenfalls schon lange der Fall.
- Das Aufleben nationalistischer Impulse. Vor 2 Jahren wurde D. Trump mit der Parole „America first“ gewählt, und in vielen weiteren Ländern vor allem Europas ist das Wiederauftreten nationaler Impulse zu bemerken.
- Eine weitere Voraussetzung für die Inkarnation Ahrimans, die Sie vielleicht erstaunt, ist: das wortwörtlich Nehmen der Bibel! 40% der Amerikaner bezeichnen sich selbst als evangelikal. Die evangelikalen Sekten spielen dort eine große Rolle. Im Weißen Haus wird seit D. Trump jede Woche eine evangelikale Bibelstunde abgehalten, an der viele Kabinettsmitglieder teilnehmen. Der evangelikal orientierte Justizminister Jeff Sessions rechtfertigte die Trennung der Kinder von den Eltern bei mexikanischen Einwanderern, die weltweit Empörung auslöste und dann auch wieder zurückgenommen wurde, mit Römer 13, wonach man der Obrigkeit untertan sein soll. Sessions sagte: illegale Einwanderung sei ein Verbrechen, Verbrechen müsse man bestrafen, Gott habe es so gewollt. Mit Römer 13 haben ja auch viele Nazis ihr Verhalten im 3. Reich gerechtfertigt. Quelle hierzu: https://www.zeit.de/kultur/2018-07/evangelikale-donald-trump-religioeser-fundamentalismus-usa-migration
- Das gläubige Annehmen und Sich - Sicherfühlen mit Statistiken. „Die Zahlen sind es, durch welche die Menschen in eine Richtung verführt werden, durch die Ahriman am besten seine Rechnung findet für seine künftige Inkarnation.“ (1.11.1919).
Wie gesagt, wir können diese Inkarnation Ahrimans, die in einem Menschen stattfinden wird, nicht verhindern, aber wir müssen sie erkennen.
„Man kann sagen: es ist nur ein Buch, nicht zwei Weisheiten – ein Buch. Es handelt sich nur darum, ob Ahriman das Buch hat oder Christus. Christus kann es nicht haben, ohne dass die Menschheit dafür kämpft“ (GA 191, 15.11.1919).
Wir leben in ernsten Zeiten, sodass ich solche Gedanken dem Advent sehr angemessen finde, obwohl sie im üblichen Sinne nicht schön sind.
Herzlich Ihr Friedwart Husemann