Rundbrief zur Anthroposophie

Liebe Freunde

das Einschlafen im Hinblick auf die unteren Götter enthält Gedanken und Empfindungen, die sich auf die Erlebnisse des vergangenen Tages beziehen. Mit den Organen des physischen Leibes haben wir am Tag unsere Umgebung wahrgenommen und mit unserem Ätherleib wurden diese Organe am Leben erhalten. [Wie schon erwähnt, gehören die beiden unteren Wesensglieder den unteren Göttern an (GA 144, 7.2.1913)]. Die entsprechende Meditation enthält zwei Teile. Den einen Teil übt man, während man wachend die Natur beobachtet:

„Ja, Sie können einen Spaziergang machen, am Wegesrand sehen Sie die gelben Blüten, die blauen Blüten, das grüne Gras, die glänzende versprechende Ähre, und Sie sagen: Indem ich so während des Tages an euch vorübergehe, sehe ich euch von außen; in euer eigenes geistiges Innere werde ich versenken, während ich schlafe, meine Erinnerungen. Ihr nehmet auf dasjenige, was ich während des Lebens aus meinen Erlebnissen heraus in Erinnerungen umgewandelt habe, ihr nehmet auf diese Erinnerungen, wenn ich schlafe.“  Man spricht also am Tag zur Natur, was man schlafend mit ihr zusammen erleben wird.

Dann kommt der zweite Teil der Meditation, der unmittelbar beim Einschlafen geübt wird:

„Wenn ich einschlafe, da übergebe ich meine Erinnerungen den Mächten, die im Kristall, die in den Pflanzen, die in allen Naturerscheinungen geistig walten“ (GA 232, 3. Vortrag, 25.11.1923).

Es bestehen konkrete Beziehungen des menschlichen Inneren zur Naturumgebung. Wir lieben den Rosenstrauch, weil die Rose unsere allerersten Kindheitserinnerungen aufgenommen hat. Die Erlebnisse, die uns als kleine Kinder zum Lächeln gebracht haben, also die Erlebnisse, an die wir uns als Erwachsene gar nicht mehr erinnern, die haben die Rosen aufgenommen. Was wir andererseits gelegentlich an Grausamkeiten als kleine Kinder in uns gehabt haben, das hat die Distel aufgenommen (ebenda).

Für die Jungmediziner gab R. Steiner eine Anweisung, die ganz ähnlich auf den Arzt schaut, wenn er schläft. Die Ärztin [ich bemühe mich, Gender korrekt zu schreiben], die am Tag sich mit den heilenden Kräften ihrer Umgebung geistig verbunden hat, erlebt nachts im Schlafe, dass ihr Astralleib „Ja“ sagen kann zu dem, was sie gelernt hat, während der Astralleib zu dem bloß abstrakten, theoretischen Wissen einer Ärztin „Nein“ sagen muss. Und aus diesem, wenn der Astralleib „Ja“ sagen kann, wächst der Impuls zur Hilfeleistung, der sonst nicht erwächst (GA 316, 5.1.1924).

Herzlich Ihr Friedwart Husemann