Rundbrief zur Anthroposophie
Liebe Freunde
Sie sehen jetzt nachts unterhalb des Sommerdreiecks tief am Himmel zwischen Steinbock und Schütze die beiden großen Planeten, die sich am Ende diesen Jahres zur Großen Konjunktion vereinen werden. Rechts steht Jupiter, strahlend und weisheitsvoll, links der lichtschwächere Saturn, der aber eine geheimnisvolle Innerlichkeit anzeigt. Beide zusammen blicken sie uns wie ein Augenpaar an. Kürzlich sah ich sie nachts um 1 Uhr auf fast gleicher Höhe. Je länger ich die beiden betrachtete, desto weniger konnte ich mich von ihnen abwenden. Konzentration und Meditation werden von diesen beiden Wandlern geradezu hervorgerufen. Durch die Rückläufigkeit Jupiters entfernen sie sich z. Zt. wieder. Ihre Entfernung und ihr Zusammenrücken werden die Nächte der kommenden Monate bestimmen und gut beobachtbar sein.
Walther Bühler hat 1983 das Buch „Der Stern der Weisen – vom Rhythmus der großen Konjunktion Saturn -Jupiter“ veröffentlicht. Anlass war die dreifache große Konjunktion der beiden im Jahr 1981. Zur dreifachen großen Konjunktion kommt es immer dann, wenn Saturn und Jupiter in Opposition zur Sonne sich begegnen, dadurch gleichzeitig ihre Schleifen bilden und dadurch dreimal hintereinander zur Konjunktion sich verbinden. Solch ein Ereignis ist viel seltener als die regelmäßige, einfache Große Konjunktion, die alle 20 Jahre stattfindet und jetzt also wieder am 21.12. 2020 sich ereignen wird.
Ich habe Bühlers Buch jetzt wieder gelesen. Dieses Buch ist voller Weisheit und Tiefsinn, wie wenn es von dem Geist dieser beiden Planeten inspiriert worden wäre. Der wichtigste Punkt ist Bühlers wunderbare Entdeckung, dass diese beiden Planeten die Rhythmen und Ereignisse im Leben Jesu gestaltet haben.
Jupiter durchwandert jedes Jahr ein neues Sternbild, er braucht für einen Durchgang durch den Tierkreis 12 Jahre. Mit 12 Jahren feiert jeder von uns seinen ersten Jupiter - Geburtstag. Das erinnert uns an die Szene des 12-jährigen Jesus im Tempel. Damals ging das Ich des salomonischen Jesusknaben auf den nathanischen Knaben über. Deswegen kam er seinen Eltern so verwandelt vor. Der salomonische Knabe starb bald darauf, ebenso die nathanische Mutter, die nur jenen einen Sohn aus dem Hause Nathan geboren hatte. Die salomonische Mutter, die insgesamt sechs Kinder bekam, bildete mit dem nathanischen Vater eine neue Familie. Der salomonische Vater war kurz vorher schon gestorben. Die nathanische und die salomonische Familie waren von Anfang an miteinander befreundet gewesen.
Das Leben Jesu gliederte sich im weiteren Fortgang in Perioden von jeweils 6 Jahren. Von 12 bis 18 lernte er das Handwerk des Zimmermanns und gleichzeitig lernt er kennen, wie das Judentum und die Stimme er Propheten damals eigentlich verklungen waren. Von 18 bis 24 ging er auf Wanderschaft und lernte das Heidentum kennen. Erschütternd war das Erlebnis des 24-jährigen Jesus (24 = 2 X 12). Damals kam er zu einem heidnischen Volk, das von seinen Priestern verlassen worden war. Die verzweifelten Menschen baten Jesus, das Amt des Priesters auszuüben. Jesus konnte jedoch das Opfer nicht vollbringen, sondern fiel vor dem Altar in Ohnmacht. Er empfing gleichzeitig mit dieser Ohnmacht als geistige Stimme das makrokosmische Vaterunser, das er dann später in das uns bekannte Vaterunser umwandelte. Das heidnische Volk um ihn herum verstand den ganzen Vorgang nicht und ergriff die Flucht. Von 24 bis 30 war Jesus bei den Essäern und lernte deren strenge Prinzipien kennen. Diese hier sehr verkürzt wiedergegebenen Ereignisse berichtet R. Steiner in seinen Vorträgen über das 5. Evangelium (GA 148).
Mit 30 Jahren ereignete sich dann die Jordantaufe, die wieder mit einem Sterbevorgang begleitet war: das Ich des salomonischen Jesus, das mit 12 Jahren in den nathanischen Jesus eingezogen war, verließ den Leib des 30 Jahre alten Jesus, damit ein noch viel größeres Ereignis stattfinden konnte, dass nämlich das hohe Sonnenwesen, das Welten – Ich oder der Christus den Leib des Jesus ergriff und durchdrang. Der Saturn braucht 30 Jahre für dieselbe Strecke, für die Jupiter 12 Jahre benötigt. Auf diese Weise sind also Jupiter und Saturn die Zeitgeber des Jesuslebens.
Bühler bringt noch viele weitere Aspekte dieses Zusammenwirkens von Jupiter und Saturn, vor allem auch, inwiefern ihre Konjunktion als „Stern der Weisen“ begriffen werden kann. Er beschreibt auch - damals noch im Vorblick – das Erscheinen des Halley`schen Kometen für das Jahr 1986, die Zahl 666 im Zusammenhang mit dem Jahr 1998 (= 3 X 666) und die Jahrtausendwende (wenn das Dezimalsystem unserer Jahreszählung möglichst viele Nullen zeigt). Alle drei Ereignisse, auf die wir jetzt zurückblicken, hängen mit einem verstärkten Impuls zum Materialismus und einem verstärkten Wirken verschiedener Widersacher Mächte zusammen.
Mit vielen astronomischen Phänomenen und geisteswissenschaftlichen Mitteilungen untermauert, stellt Bühler diesem dreigliedrigen „Rhythmus des Bösen“ die Große Konjunktion von Jupiter und Saturn und die dreimalige Konjunktion der beiden als den „Rhythmus des Guten“ gegenüber. Ein ermutigender Gedanke, zu dem uns zu erheben, die beiden ernst - leuchtenden Augen dieser Nächte uns veranlassen können.
In dem Zyklus zu Ostern 1924 bringt R. Steiner den Spruch aus den Mysterien von Ephesus über die sieben Planeten (GA 233a, 22.4.1924 bzw. in GA 40 „Weltentsprossenes Wesen…“), wo Jupiter und Saturn in solche Worte gefasst worden sind, dass man beim Beobachten der beiden ihr Wesen unmittelbar zu erkennen glaubt: „Jupiters erstrahlende Weisheit“ und „Saturns weltenalte Geist-Innigkeit“.
Herzlich Ihr Friedwart Husemann
Eine schöne Darstellung der Planete und hilfe Sie zu finden gibt es hier: Jupiter und Saturn mit dem Mond bei starwalk.space