Am Dienstag, den 25.02.2025 ging der Michaelzweig im
vollbesetzten Saal des Rudolf-Steiner-Hauses mit dem ersten
öffentlichen Vortrag ins Jubiläumsjahr.
Dr. Jürgen Momsen sprach über "Die Entdeckung des Ich" an
der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert in Jena.
Angelehnt an Andrea Wulf(1) entwarf er in 7 lebendig
ausgemalten Szenen die Schicksalszusammenhänge, aus denen
heraus die bedeutendsten Geister der Zeit die Frage nach dem
menschlichen Ich und seiner Beziehung zur Welt bewegten und
den Gedanken des freien Ich ausformulierten.
"Uns allen wohnt ein geheimes, wunderbares Vermögen bei,
uns aus dem Wechsel der Zeit in unser Innerstes, von allem
was von außen her hinzukam, entkleidetes Selbst
zurückzuziehen, und da unter der Form der Unwandelbarkeit
das Ewige in uns anzuschauen." Dieser Aphorismus Schellings
war einer der Anknüpfungspunkte für Rudolf Steiner seine
eigene Anschauung vom Ich darzulegen in der Philosophie der
Freiheit, der Theosophie, der Geheimwissenschaft im Umriss
und schließlich am weitreichendsten in den Anthroposophischen
Leitsätzen.
Leib und Seele sind Träger des Ich, der Geist wird schöpferisch
im Ich und schafft das Geistselbst.
Das Ich wird tätig in der Seele und kann alle Affekte
umgestalten, es wird tätig am Leben, das Mittel dazu sind
Kunst und Religion, und es kann den physischen Leib
umgestalten durch entsprechende Übungen.
Die Bedeutung der Empfindung des Schicksals formuliert
Momsen so: "Ich bin in meinem Schicksal tätig gewesen, von
außen kommt mir das wieder entgegen."
Er schließt den Vortrag ab mit einem Gedicht von Juan Ramon
Jimenez "Ich bin nicht Ich"(2) und der Bemerkung:
"Rudolf Steiner ist gestorben, jetzt braucht es etwas Neues!"
(1) Andrea Wulf, "Fabelhafte Rebellen, Die frühen Romantiker
und die Erfindung des Ich", Bertelsmann Verlag 2022
(2) Juan Ramon Jimenez, "Ich bin nicht Ich", Edition Signum
Heidelberg 2012
(G. Albinger)
Seite 1 von 2