Oh, ihr Mächte, lasset mich bewusst im Lichte aus dem Licht heraus hinschauen auf die Vorgänge meines eigenen Lichtleibes und dämpfet ab, nehmet weg die Kraft und Macht der ahrimanischen Kräfte, die mir verdunkeln und herabdämmern die Vorgänge im eigenen Lichtleib! Lasset mich bewusst aus dem Lichte mein eigenes Licht schauen! Lasset mich aus dem Lichte bewusst das Licht schauen, und nehmet weg die Mächte, die mich verhindern, aus dem Lichte das Licht zu schauen

(Rudolf Steiner aus der Gesamtausgabe Band 165, 2.1.1916).

 

Ich schaue in die Finsternis:
In ihr ersteht Licht,
Lebendes Licht.
Wer ist dies Licht in der Finsternis?
Ich bin es selbst in meiner Wirklichkeit.
Diese Wirklichkeit des Ich
Tritt nicht ein in mein Erdendasein.
Ich bin nur Bild davon.
Ich werde es aber wieder finden,
Wenn ich,
Guten Willens für den Geist,
Durch des Todes Pforten gegangen.

(Rudolf Steiner, London 2.9.1923).

Wir Menschen des Jahres 2021 ringen mit den Mächten der Finsternis. Die Mächte der Finsternis wenden alle Mittel an, die Ihnen zur Verfügung stehen, die Mittel der Verführung, der Verdunklung, der Einschüchterung, der Verwirrung. Und sie sind mächtig. Ist das Mittel der demokratischen Mehrheit geeignet zwischen richtig und falsch zu unterscheiden? Hatte "Die weiße Rose" also unrecht, weil sie nicht die Meinung der Mehrheit vertrat? Wo ist der schmale Grat zwischen berechtigter politischer Willensbildung und Bevormundung der Minderheit überschritten?

Aber diese Diskussion zu führen fehlt uns etwas ganz Wesentliches, etwas was in der Anthroposophie leben sollte und immer noch nur in Ansätzen gelingt. Wie überbrücken wir Meinungen? Wie finden wir zum anderen Menschen, wie integrieren wir die Polaritäten, die sich heute noch aus den unterschiedlichen Ansätzen von Aristotelikern und Platonikern ergeben? Die Geistesschau spricht von dem himmlischen Bündnis der beiden Gruppen, und auf Erden? Sind gerade wir Anthroposophen aufgerufen den Brückenschlag voran zu treiben? Und wie gelingt uns dies? In der eigenen Gemeinschaft sind wir gespalten, halten es nicht aus anderer Überzeugung zu sein und trotzdem des anderen Bruder zu bleiben. Wir verwenden Macht, und beanspruchen Recht.
Der Weihnachtsweg ist ein anderer. Der Weihnachtsweg Christi führt nicht in den Freitod, sondern in den ertragenen Erdentod. Christus nutzt nicht seine Macht, um dem Tod zu entkommen, sondern er zeigt uns sein Vertrauen in die Notwendigkeit seines Erdentodes für die Menschheit. Er selbst geht durch den Tod, er zeigt seinen Jüngern dann das er nicht wirklich gestorben ist, dessen dürfen wir uns gewiss sein. Das, was er der physischen Welt hinterlassen hat, sind seine Jünger und deren Gewissheit über diese andere Welt, die der Auferstehung. Die Jünger waren nicht seine Kinder, sie waren eine, wir würden sagen bunt zusammengewürfelte Gemeinschaft, eine inhomogene Gemeinschaft, eine Gemeinschaft die so weit inhomogen war, das sogar der Verräter bewusst integriert war. Jesus sagte es ihm auf den Kopf zu das er das wusste und trotzdem war er sein Jünger. Sind wir so naiv zu denken das Jesus das nicht kommen sah als er ihn erwählte.

Was bedeutet das als Aufgabe für uns Anthroposophen, wieder einmal öffentlich angefeindet wie schon lange nicht mehr. An den Pranger gestellt und verteufel. Und im Innern, sind wir dort die Gemeinschaft, die man uns vorwirft? Ja, wir sind es, und wir trauen uns nicht dazu zu stehen. Die einen kommen von der spirituellen Seite und pflegen ihre Überzeugung, hegen sie und hätscheln sie und sehen in allem was ihnen nicht gefällt das Böse schlecht hin, es wird angeprangert, protestiert und eifrig vermieden. Die andere Gruppe macht das nicht so. Sie lebt mit in dem Strom des Lebens, setzt daneben die Pflege des Geistigen, sie sieht all die Errungenschaften des Lebens, nimmt sie für natürlich und begründet sie aus der Geisteswissenschaft. Wissenschaft treiben wir fleißig auf beiden Seiten. Aber der Geist,der der Wissenschaft im gewöhnlichen Sinn zugänglich ist ist nur ein sehr schmaler Aspekt des Geistes den wir eigentlich meinen. Der Geist den Rudolf Steiner mit der Geisteswissenschaft zu ergründen sucht ist ein universeller, weiter Geist. Ein Geist der denken, fühlen und wollen umfasst. Ein Geist der uns in die Freiheit führt um bewußt zu machen das wir einander brauchen, dafür braucht es zur Freiheit Toleranz. Steckst das Böse in den Dingen, oder steckt das Böse darin, das wir unserer Meinung einen allein gültigkeits Anspruch zumessen?

Ich möchte ein simples Beispiel anführen, was nicht gerne gehört wird, deshalb aber trotzdem ein gehörigen Teil an Wahrheit umfasst. Die Menschen das dritte Reich geschaffen haben, die es aufgebaut und ermöglicht haben sind rückblickend menschenverachtende Despoten. Nichts desto trotz gab es in dieser Zeit glückliche Schritte und richtige Entwicklungen, die uns sogar heute helfen könnten Fehlentwicklungen zu revidieren. So zum Beispiel die Verpflichtung als Gegenleistung für öffentliche Leistungen Arbeiten im öffentlichen Bereich zu tun. Bei einem solchen Gedanken treten genau die Aspekte auf, die uns helfen